German Urban Pop Art

Wie kaum einem anderen ist es Thomas Baumgärtel gelungen, mit seiner Spraybanane ein Symbol zu schaffen, das inzwischen als „Exzellenzbanane“ Kunstorte auf der ganzen Welt markiert. Wir haben diese Entwicklung, beginnend mit den ersten Bananenskulpturen und Spraybananen bereits 2008 umfassend in einer Ausstellung dokumentiert.

Mit der nun aktuellen Ausstellung des Kölner Künstlers blicken wir zurück auf die zurückliegenden 10 Jahre seines künstlerischen Schaffens. In diesen Jahren stehen Baumgärtels Aktionen und Kunstobjekte vermehrt in einem politischen, bzw. tagespolitischen Diskurs. 

Im Fokus stehen unter anderem Baumgärtels politische Bilder, mit denen er die Zeitgeschichte markant und unmißverständlich anprangert. Dabei ist ihm auch in diesen Bildern die Banane ein ideales „Werkzeug“ um auf aktuelle politische Ereignisse, auf Fehlentwicklungen oder gesellschaftliche Skandale kritisch einzugehen. Baumgärtels persönliche Stellungnahmen entspringen einer zutiefst demokratischen Haltung. Die Banane ist dabei mehr als ein humoristisches Wiedererkennungssymbol. Sie steht vielmehr für den konzeptionellen Ansatz des Künstlers, der im Rückblick auf das Lebenswerk von Jahr zu Jahr deutlicher zutage tritt.

Zur Ausstellung erschien der reich bebilderte Katalog mit zahlreichen Beiträgen im Wienand Verlag (im Museumsshop oder auch online erhältlich).

Onlineschreibwerkstatt zur Ausstellung von Thomas Baumgärtel

Unter der Leitung von Renate Schmitz-Gebel M.A. fand eine online Schreibwerkstatt „in“ der Ausstellung statt. Zusammen mit Corinna Ortmann hat sie nun die Ergebnisse für uns zusammengestellt.

Lassen Sie sich verführen … alles-banane_v2

Ein facettenreicher Radiobeitrag von Christiane Vielhaber für Deutschlandfunk. Der Beitrag war zu hören am 5.7.2020 in der Sendung „Kultur heute“.

Kunst für immer – und immer nur Kunst!
August Deusser war Maler und Kulturpolitiker. 1870 in Köln geboren, blieb er dem Rheinland bis zu seinem Tod in Konstanz im Jahr 1942 eng verbunden.

August Deusser setzte sich bereits sehr früh für die Moderne im Rheinland ein. Die Modernen, das waren u.a. die französischen Fauves um Henri Matisse, aber auch die spektakulären Werke Paul Cézannes oder die deutschen Expressionisten.
Deussers Einsatz für diese Moderne und die damit verbundene Abkehr von der akademischen Malerei führten 1908, maßgeblich von Deusser initiiert, zur Gründung des Sonderbundes. Der Sonderbund wurde als Ausstellungsinitiative gegründet, zusammen mit Julius Bretz, Max Clarenbach, Walter Ophey, Wilhelm Schmurr und anderen. Bis 1911 fanden die jährlichen Ausstellungen der Gruppe in Düsseldorf statt und erregten aufgrund der neuartigen Präsentation und durch den Einbezug französischer Avantgardekünstler großes Aufsehen. Für Deusser stellte der Berliner Maler Max Liebermann hier ein besonders Vorbild da. Dessen Einsatz für die „neue“ französische Malerei, suchte Deusser auch im Rheinland umzusetzen. Der Maler blieb tonangebend innerhalb dieser Bewegung. Im sog. „Vinnen-Streit“ positionierte sich Deusser klar und unmissverständlich für die Seite der jungen französischen Malerei: „Die Jugend aber wird siegen!“, so Deusser in seinem Beitrag für die historische Streitschrift. In dem weiteren Streit kam es 1912 zur letzten und legendären Sonderbund-Ausstellung, nun allerdings in Köln.

In diese Sonderbund-Jahre fällt auch die bedeutendste Schaffensphase von August Deusser. Ohne sich vom Gegenstand zu lösen, entwickelte er in Anlehnung an die Kunst des Impressionismus, der Fauves und Paul Cézannes eine eigenständige koloristische Handschrift. Seine Themen findet der Künstler in den rheinischen Landschaften vom Niederrhein bis nach Köln. In seinen Stadtbildern sucht er die charakteristischen Silhouetten, wie beispielsweise und sehr beliebt den Kölner Dom.
Besonders hatten ihn die monumentalen Eisenbahnviadukte angetan. Mächtig setzte er diese rötlich schimmernden Architekturen ins Bild. Sie gehören sicherlich zu den eindrucksvollsten Gemälden von August Deusser.

August Deussers Leben führte ihn auch für einige Jahre an den Niederrhein. Er übernahm einen Auftrag für das Kreisgebäude in Kleve, der aber nicht zu Ende ausgeführt wurde und nicht mehr erhalten ist und lebte viele Jahre im Wasserschloss Arcen (NL) auf der niederländischen Seite. An der Düsseldorfer Akademie wird er schließlich Professor für Historienmalerei, die Lehrtätigkeit, die 1924 krankheitsbedingt aufgeben musste.

Mit ca. 100 Werken – Gemälden und Zeichnungen – zeigen wir dieses, im Rheinland nahezu vergessene Werk zum ersten Mal gemeinsam mit dem Museum Konstanz sowie der Antonie Deusser Stiftung (Zürich).
Seine Malerei wird durchzogen von den französischen Impulsen, die Deusser in der Kunst Paul Cézannes oder Henri Matisse selbst im Rheinland etablierte. Es sind aber auch die Wechselbeziehungen zu deutschen Malern wie Hans Purrmann spürbar, die ähnlich wie Deusser in der französischen Malerei den großen und entscheidenden Fortschritt in eine neue Zeit sahen.

August Deusser blieb sein Leben lang ein Maler im bürgerlichen Habitus. Seine frühe Hinwendung zu den großen Themen der Malerei, sein Blick nach Paris und den Aufbruch in die Moderne lässt ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne im Rheinland werden.

Zu der Ausstellung ist ein begleitender Katalog entstanden. (€ 25.- während der Ausstellung, € 48,- regulär)

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Kooperation mit der Antonie Deusser-Stiftung.

In einer Schreibwerkstatt an der Hochschule Rhein-Waal, unter der Leitung von Renate Schmitz-Gebel, haben Studierende Bilder dieser Ausstellung als Impuls für ihre Beiträge erhalten. Viele interessante Texte sind hierbei entstanden. Vielen Dank, dass wir sie hier online vorstellen dürfen.

Mai Online-Schreibwerkstatt HSRW August Deusser mit Deckblatt

Schreibwerkstatt zur Ausstellung A. Deusser – Luisa B.

WIRKLICH JETZT!

Teilnehmende Künstler: Jérome Gerull, Malte Stienen, Johanna Reich, Henning Frederik Malz, Peter Loewy (Essen), Eli Cortiñas

Die Ausstellung wird gefördert von der Kunststiftung NRW.

Unter dem Titel WIRKLICH JETZT! präsentiert das Museum Goch eine Reihe von künstlerischen Arbeiten, die sich medial unterschiedlich ausgerichtet mit uns umgebenden Lebenswirklichkeiten beschäftigen. Zugleich stellt die Ausstellung Fragen bezüglich der Relevanz, der mit den gezeigten Kunstwerken reflektierten Wirklichkeitsbezüge für den gegenwärtigen Kunst- und Ausstellungsbetrieb. Welche Trends, Sichtbarkeiten und Phänomene unserer Lebenswirklichkeit sind kunst- und ausstellungswürdig? Und sollen Ausstellungsinstitutionen mehr denn je die Rolle von Kraftwerken spielen, welche derartige Trends, Modeerscheinungen etc. ungefiltert reflektieren oder in ihrer visuellen Präsenz möglicherweise noch verstärken? Welche Erwartungen hegt das Publikum gegenüber Ausstellungsorten wie Kunstvereinen, freien Künstlerhäusern und Museen? Und wie definieren sich diese Orte selbst im Hinblick auf ihren Stellenwert im Kunstbetrieb und in der Gesellschaft? Wie aktuell müssen Ausstellungen sein? Atemlos jedem Trend, jeder Mode hinterherjagen, weil man sich damit gegenüber der Konkurrenz abhebt und mehr Besuchergruppen erreichen kann? Oder sich gerade bewusst dem Risiko aussetzen, noch nicht historisierbare künstlerische Äußerungen aufzugreifen, in bestimmte Zusammenhänge zu setzen, um sich so auf qualitativ hohem Niveau immer wieder neu mit unserer Wirklichkeit auseinanderzusetzen?

Die Ausstellung versucht weniger, auf derartige Fragen fertige Antworten zu geben. Stattdessen ist der Besucher selbst aufgefordert, seine individuelle Haltung zu den Kunstwerken zu finden, ihre Kunstwürdigkeit und -wertigkeit kritisch zu deuten und letztendlich seine Erwartungshaltung gegenüber etablierten Ausstellungsinstitutionen zu formulieren.

 

Eli Cortiñas
Paraiso Animal, 2015

In ihrem jüngsten Video, „Paraiso Animal“, löst sich Eli Cortiñas von der in früheren Arbeiten gegebenen ausschließlichen Verwendung von found footage und arbeitet nun mit selbstgedrehtem Material, um so ihre Filmsprache und Arbeitsmethodik konsequent weiter zu entwickeln. Sie übernimmt in Paraiso Animal mithilfe einer Bärenmaske die Rolle eines Tieres, das seines ursprünglichen Lebensraums beraubt und zunehmend in den städtischen Raum gedrängt wird. Bilder von der einsamen Stadt und der üppig wuchernden Natur wechseln sich ab, wobei das Tier in seinem vermeintlich natürlichen Habitat zu erstarren scheint. Die Arbeit ist als offene Serie mit mehreren Kapiteln konzipiert und wird fortlaufend weitergedreht.

Jérome Gerull
Stadt Gestalten
Renaissance der Städte

Der in Hamburg lebende Fotograf Jérome Gerull hat in den letzten zwei Jahren anonyme Portraits von in Deutschland lebenden Street Art Künstlern und ihren bevorzugten urbanen Spielorten gemacht. Fotografiert hat Gerull Künstler wie Alias, El Bocho, Hallo Karlo, Herbird, Hkdns, Lieb Sein, Marshal Arts, Pirho, Push, Ping Pong, Sope, Späm, Tona und Urben, die im Halbdunkel urbaner Labyrinthe leben und häufig versteckt agieren. Das Ergebnis ihrer illegalen Spray-Aktionen ist die Trophäe eines trotzigen Aufbegehrens gegenüber Obrigkeiten, vermeintlich ungerechten Verteilungsmechanismen oder eine mehr oder weniger ausgeprägten Haltung zu stadt-politischen Entscheidungsvorgängen. Streetartists sind bewusst oder unbewusst ein Teil der Bewegung „Recht auf Stadt“, welche die Städte u.a. nicht alleinig den allgegenwärtigen Investoren überlassen möchten. Die Künstler wollen die urbanen Räume mit- und umgestalten.
In seiner Serie „Stadtgestalten“ hat der Fotograf Jérome Gerull die Künstler bei ihren nächtlichen Streifzügen und in ihren Ateliers in Berlin und Hamburg intensiv begleitet und porträtiert. Die Bilder zeigen eine versteckt agierende, gut vernetzte urbane Künstlerbewegung.
In seiner Serie „Renaissance der Städte“ begleitet er symbolhaft den Aufwertungsprozess von deutschen Großstädten.

Henning Frederik Malz
Video, Installation, 2015

Die Arbeiten des Videokünstlers Henning Frederik Malz entstehen in der Regel aus dem Kontext einer andauernden Serie von Found Footage Kurzfilmen. Der Künstler ist ein sezierender Beobachter seines eigenen Mediums und durchforstet Spielfilme, Imagefilme oder auch Musikvideos nach prägnanten Motiven, die als Filtrat des jeweiligen Bild Vokabulars sich derer Versprechen bedienen und reflektieren. Präzise akkumuliert er im Schnitt die Bilder zu einem dichten Sog, der die Mechanismen narrativer Strukturen übersteigert und in analytischer Distanz kommentiert. Die Quelle seines Materials findet er in den Medien- und abspieltechnischen Umwälzungen der 80er, 90er und 00er Jahre– von VHS, DVD bis Youtube. Seine experimentellen Filme sind eine Komprimierung ausgewählter Bilder von nahezu ikonischer Qualität, die weniger auf repräsentativen Anspruch zielen, als dass sie auf die Rhetorik des ursprünglichen Materials verweisen. Erstmalig erweitert er in seiner im Museum Goch gezeigten Arbeit sein künstlerisches Repertoire und inszeniert seine Videoarbeit in Mitten von skulpturalen Objekten. Während einige mit reflektierendem Abwehrband für Wildtiere sich eindeutig in dem Bereich von Vogelscheuchen verorten lassen, changieren die Objekte, die in Form eines (verbundenen) Kopfes auf einer Stange befestigt sind, zwischen Vogelscheuche und Gruselobjekt. Dazwischen läuft ein Film der verschiedene Szenen aus menschenleeren Gegenden zeigt, die sofort an Horrorfilme erinnern ohne jedoch eine einzige Horrorszene zu zeigen.

 Johanna Reich
Heroines und Amazonen

Johanna Reich sammelt auf einer bildnerischen Ebene digtale Collagen: junge Mädchen werden in Bewegt- und Standbild portraitiert, während auf ihren Gesichtern ihre jeweiligen Vorbilder projiziert werden. Jede Teilnehmerin wählt für sich das Bild einer Ikone aus, die sie aufgrund von Charakter, Lebenslauf oder einer speziellen Begabung fasziniert. Dieses Bild wird auf das Gesicht der Teilnehmerin projiziert und mit der Kamera festgehalten. In der Verschmelzung von Projektion und Gesicht entsteht ein neues, eigenständiges Portrait, das seine Energie aus dem Spannungsfeld zwischen ikonenhafter Inszenierung und alltäglicher Gegenwart schafft; es entsteht eine Heroine, benannt nach den Halbgötinnen der Antike. Daran anschließend nimmt die Arbeit Heroines sich die in den Traumfabriken und den Massenmedien erzeugten Bilder und führt vor Augen, wie sich idealisierte, gleichzeitig weit entfernte Persönlichkeiten, mit den Identitäten junger Mädchen vermischen. Sie weist auf den eigentlich innerlich ablaufenden Prozess der Identitätsbildung hin, der in Kindheit und Jugend verstärkt stattfindet. Die Orientierung an inszenierten Rollenvorbildern, etwa aus dem Showbusiness, ist einerseits Mittel zur selbstbestimmten Persönlichkeitsentwicklung andererseits ist es Spiel mit der Illusion. Johanna Reichs Portraits werden, als popkulturelles Zitat, als Plakate in der Stadt und als lebensgroße Poster gezeigt, vergleichbar mit den Postern, die in Zimmern von Jugendlichen hängen. Ergänzend dazu führte Johanna Reich zahllose Gespräche mit Frauen zwischen 30 und 95 Jahren und zeichnet dabei ein zeitgenössische Bild der Frau in unserer Gesellschaft und den Wandel ihrer Rolle zwischen 1945 bis 2015. In ihren Interviews untersucht Johanna Reich, inwieweit Rollenverhalten gesellschaftlichen Strömungen unterliegt oder individuellen Entscheidungen. Das Archiv der Ton und Bildaufnahmen wird kontinuierlich erweitert und soll online wie offline nutzbar sein.

Malte Stienen
Untitled (Angst), 2013

Malte Stienen hat mit „Untitled (Angst)“ ein Werk geschaffen, das die Aktualität und prominente Rolle internetgestützter Informationsfluten für die Ausprägung kultureller Handlungsfelder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Um dieser Flut Herr zu werden, hat er sich auf den Mikroblogging-Dienst Twitter konzentriert. Auf Twitter können angemeldete Nutzer telegrammartige Kurznachrichten, sogenannte Tweets, verbreiten. Dafür hat er mit einem handelsüblichen Drucker, einem Modem mit Internetzugang und einem Tisch ein Kunstobjekt geschaffen, das sich ausschließlich mit dem Wort „Angst“ beschäftigt. Denn die Maschine druckt alle Tweets aus, in dem das Wort Angst vorkommt und zwar weltweit. Sobald die „Angstmaschine“ angestellt wird, rattert sie los und druckt fortlaufend alle Tweets aus in denen das Wort Angst vorkommt und produziert in kürzester Zeit einen großen Papierhaufen der während der Ausstellungzeit zu einer noch nicht überschaubaren Größe anwachsen wird. An Hand der Geschwindigkeit des Ausdrucks lassen sich auch bestimmte Ereignisse in der realen Welt ablesen. Wenn es z. B. Gewittert steigt das Mitteilungsbedürfnis der Twittergemeinde dramatisch an.

 

Ron Schmidt, der schon lange dem Museum verbunden ist, zeigt zum ersten Mal gemeinsam mit dem Kölner Künstler Max Würden die Installation 12 Apostel. Die Ton- und Bildinstallation ist bis zum 7. Januar 2018 im Kabinett zu sehen.
Zum Eröffnungsabend werden die beiden Künstler einmalig das Klangereignis mit analogen und digitalen Instrumenten begleiten.

Brigitte Gmachreich-Jünemann. ausgesucht

Franz Engelen im Atelier der Künstlerin im Jahr 2018

Brigitte Gmachreich-Jünemann lebt und arbeitet in Kranenburg. Sie gehört zu den profiliertesten Druckgraphikerinnen unserer Region und kann inzwischen auf ein umfangreiches Oeuvre zurück blicken. Vielfach haben wir Sie in Einzel- oder auch Gruppenausstellungen gewürdigt.

2018 hat die Künstlerin unserem Freundeskreis Museum&Freunde e.V. ein umfangreiches Werk von graphischen Arbeiten geschenkt. Die Schenkung umfasst über 60 Werke aus allen Schaffensphasen, beginnend mit ganz frühen noch gegenständlichen Landschaftsbildern bis hin zu den auch im Format gewachsenen abstrakten Farb- und Formkompositionen.

Die geschenkten druckgraphischen Blätter fügen sich hervorragend ein in die über die Jahre kontinuierlich gewachsene Sammlung des Museums. Damit verfügen wir über ein einmaliges und exemplarisches Konvolut der Kranenburger Künstlerin.

Als Anlass Ihrer großzügigen Schenkung, zeigen wir in einer Ausstellung sämtliche Werke, die der Museum&Freunde e.V. mit großer Freude und Dankbarkeit angenommen hat.


Vom 19.08. bis zum 03.10.1994 waren Radierungen zu sehen, in denen die Künstlerin ihren abstrahierenden Umgang mit Landschaftsdarstellungen dem Publikum näher brachte.

Britische Dokumentarfotografie seit den 1960er Jahren.

Fotograf*innen:

John Bulmer, Rob Bremner, Thom Corbishley, Robert Darch, Anna Fox, Ken Grant, Judy Greenway, Mohamed Hassan, Paul Hill, David Hurn, Barry Lewis, Markéta Luskačová, Kirsty Mackay, Niall McDiarmid, Daniel Meadows, Peter Mitchel, Tish Murtha, John Myers, Jon Nicholson, Kevin O’Farrell, Martin Parr, Mark Pinder, Paul Reas, Simon Roberts, Syd Shelton, Dave Sinclair, Homer Sykes, Jon Tonks

Facing Britain vereint erstmals nahezu alle wichtigen Vertreter*Innen der Britischen Dokumentarfotografie in einer großen Übersichts-Ausstellung außerhalb Großbritanniens.

Lange vergessene und erst in den letzten Jahren wiederentdeckte Positionen wie John Myers, Tish Murtha oder Peter Mitchell werden neben Arbeiten von Weltstars wie Martin Parr gezeigt. Die Schau  bietet so einen einzigartigen Einblick in die mit Kontinentaleuropa und Nordamerika verflochtenen, aber auch unabhängigen Entwicklungen auf dem Feld der Fotografie in England, Schottland, Irland und Wales. Das Dokumentarische erweist sich als eine der großen Stärken der britischen Fotografie, die einen Teil Europas im Wandel facettenreich, überraschend und künstlerisch originell abzubilden vermag. Als zeitliche Klammer für Facing Britain wurde daher bewusst die Zeitspanne der Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union und ihres Vorläufers 1963-2020 gewählt. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Corona-Pandemie, erweist sich die Ausstellung als Zäsur in der künstlerischen Entwicklung einer ganzen Nation.

Beschrieben werden die verschiedenen Epochen vom Niedergang der Kohleindustrie über die Thatcher-Ära mit dem Falkland-Konflikt bis hin zum Brexit, der die Insel in zwei Lager spaltet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den von David Hurn, Tish Murtha, Daniel Meadows und Martin Parr geprägten 1970er und 1980er Jahren, als die künstlerische Dokumentarfotografie weltweit an Bedeutung gewinnt. Martin Parr beschreibt diese Jahrzehnte als „eine prägende Zeit für die britische Fotografie, in der die Stärke der Dokumentarbewegung wirklich lebendig wurde.“

In Großbritannien galt die Fotografie bis in die 1980er Jahre nicht als autonome Kunstform. Erst ab 1985 wurden Britische Fotografe*Innen in der Photographer‘s Gallery und Barbican Art Gallery in London oder dem British Council mit Ausstellungen gewürdigt.

Diese späte Ehrung der Pioniere der Britischen Dokumentarfotografie zeigte auch die Schwierigkeiten der Fotografie in Großbritannien. Insgesamt fällt es der Britischen Fotografie – abseits ihrer arrivierten Magnum-Fotografen wie David Hurn oder Martin Parr – schwer, sich auf dem internationalen Markt zu behaupten –, nicht zuletzt auch wegen der sozialkritischen oder politischen Inhalte und gesellschaftskritischen Ansätze, die etwa bei Ken Grant, Tish Murtha, Homer Sykes, Paul Reas oder Anna Fox unverkennbar sind.

Facing Britain präsentiert ein Porträt der einzigartigen Fremdartigkeit Großbritanniens – geteilt, ungleich und von Klassen durchzogen, jedoch geprägt von tiefer Zuneigung, Menschlichkeit und Humor. Die Aufnahmen sprechen für sich, legen Zeugnis von künstlerischen Konzepten und Haltungen ab und vermitteln historische Kontexte. Sie fordern eine Sicht auf das heutige Vereinigte Königreich abseits der Klischees ein. Ungleichheit und Identität sind nach wie vor die Schlüsselbegriffe, welche die Nation dominieren und definieren, was die Ausstellung aktueller denn je erscheinen lässt. Früher virulente Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Niedergang der Bergbauindustrie oder Protest und Demonstration gegen die Politik von Margaret Thatcher, werden in der Ausstellung historish beleuchtet und durch die beteiligten Fotograf*Innen kritisch hinterfragt. In den jüngsten Arbeiten von Kirsty Mackay, Paul Reas, Robert Darch oder Niall McDiramind spiegeln sich auch aktuelle Fragestellungen zu Themen wie Gendergerechtigkeit, Konsumgesellschaft, Rassismus, Brexit oder Migration

Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist der erste Blick auf Fotograf*innen und Impulse des „Black Britain“, die ihre unverwechselbare Perspektive in die britische Dokumentarfotografie einbrachten und ihren eigenen Themen eine künstlerische Stimme verliehen.

Die Ausstellung Facing Britain im Museum Goch wurde von Ralph Goertz entwickelt, der bereits Ausstellungen wie die „Martin Parr Retrospective“, „Two Rivers. Alec Soth / Joachim Brohm“, „Joel Meyerowitz Retrospective“, „Peter Lindbergh / Garry Winogrand: Women“ im NRW-Forum Düsseldorf, „Axel Hütte. Night and Day“ im Museum Kunstpalast oder aktuell „Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr“ in der Kunsthalle Düsseldorf kuratierte.

In seinen neuen Arbeiten untersucht Fabian Seyd (*1979 Königs Wusterhausen) das häusliche Umfeld. Die Geborgenheit und gleichzeitig die Enge des Wohnraums eröffnen das zentrale Spannungsfeld: Vielschichtige zwischenmenschliche Beziehungen prägen und werden geprägt von diesem konventionalisierten architektonischen Rahmen.

Unter dem Titel „home stories“ wird nicht nur Seyds charakteristische Malerei zu sehen sein, der glasklare Naturalismus, den der Künstler stets durch abstrakte Interventionen aufbricht. Wohnbereiche werden installativ rekonstruiert und durch skulpturale Metaphern umkreist, malerisch bearbeitete Fotografien und Collagen bilden einen formalen Gegenpol zu den dreidimensionalen Werken. Vertraut anmutende Räume verweisen auf gewesene Begegnungen und verschwommene Erinnerungen. Gleichzeitig sind ihnen jene Brüche mit dem beruhigend Bekannten inhärent, die für Fabian Seyds Kunst typisch sind: Heimelige Wärme und Nähe schlagen schnell um in Enge und Beklemmung, Freude des familiären Beisammenseins scheint aufgeladen mit latenten Erwartungshaltungen eines komplexen sozialen Geflechts.

In der bunten Figurenwelt des M. S. Bastian gibt es eine ureigene, archaische Grundfigur, die seit Jahren immer wieder auftaucht: Pulp. Diese Kunstfigur gibt der Gocher Ausstellung ihren Namen und ist auf vielen gezeigten Arbeiten präsent.
Die Welt des M.S. Bastian ist eine Welt der Figuren, Monstren und Köpfen, eine Welt von einstürzenden Städten, explodierenden Jukeboxen und immer wieder miteinander kommunizierenden Menschen.
Seine Bilder entsprechen einer inneren Haltung, dass alles um ihn herum kommentiert sein will, dass seine Geschichten keinen Anfang und kein Ende haben und dass sie aus dem richtigen Leben stammen müssen, was beim Betrachten seiner Arbeiten den Eindruck von Zeitgeist entstehen lässt. (W. v. Gunten)
Die allgemein verständliche Bildsprache, die sich der Künstler zu eigen gemacht hat, entspringt der bunten Welt des Comics. Aber wie dort, entfaltet sich hinter den vitalen und lustigen Geschichten eine ernste, meist ironische Gesellschaftskritik, die aufzudecken, dem Betrachter aufgegeben wird.

Für Goch konzipierte Bastian zusammen mit seiner Partnerin Isabelle eine raumfüllende Installation wozu auch eine große Wandarbeit zählt. In Ihr entfaltet er seine einzigartige Ideen- und Figurenwelt.
Die Gocher Ausstellung gibt zum ersten mal einen beieindruckenden Überblick über 20 Jahre künstlerische Arbeit eines Künstlers, der die Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Comic auf beeindruckende Weise formuliert.

Als ein Mitglied der Künstlergruppe „Könige der Herzen“ war M.S. Bastian bereits in einer Ausstellung im Museum Goch vertreten.

 

 

I´am not shining – I´am burning

Julia Bünnagel ist eine zeitgenössische Bildhauerin, Installationskünstlerin und Soundperformerin aus Köln.

Julia Bünnagels breit gefächertes künstlerisches Instrumentarium umfasst neben Sägezeichnungen, Papierarbeiten, Schrift, Licht und kybernetischen Objekten bildhauerisch bearbeitete Schallplatten, die sie während Performances zu rhythmischen Soundscapes, eigens erzeugten Klanglandschaften, mischt. Sie ist Mitglied des Künstlerkollektivs Sculptress of Sound, das seit 2011 mit ‚spectodramatischen Soundperformances’ auftritt.

In ihren großformatigen modularen Installationen, die den Raum zuweilen überformen und in eine begehbare Landschaft verwandeln können, fließen audiovisuelle Beobachtungen aus Bereichen wie Kybernetik, Architektur, Science Fiction, Musik und Wahrnehmungstheorie mit ein. Die gemeinsame mathematische Grundlage von Sound und Geometrie, das Spannungsfeld von Linie und Fläche, Volumen und Leere bilden Bezugspunkte.

http://juliabuennagel.de/de