Andreas Kaiser – Ortsbezug

Ein Wohncontainer, 6 Meter lang, 2,50 Meter breit und hoch, schiebt sich in die linke hintere Ecke  des Gocher Ausstellungsraumes. Es ist dunkel, die Fenster vermauert, nur aus dem Container dringt ein schwaches Licht. Will man in den Wohnraum hinein, muss man eine niedrige Holzschwelle überschreiten. Im Innern prägt das schwache Licht einer Glühbirne sowie ein Radiator den spärlich eingerichteten Raum, der auf 37 Grad aufgeheizt ist. Drinnen stehen ein eisernes Hochbett, eine Spüle mit Unterschrank, Tisch und Stühle und ein Spind, abschließbar, zur Aufbewahrung der letzten persönlichen Dinge, die einem verblieben sind. Ein billiger PVC Belag dient als Fußboden und der Blick zur Decke zeigt unmissverständlich das Wellblech, aus dem der Container gefertigt ist.

So beschreibt sich die Installation, mit der sich Andreas Kaiser an die Besucher der Ausstellung „Ortsbeziehung“ im Museum Goch wendet. Er geht dabei auf eine Wohnsituation ein, mit der vielfach in deutschen Groß- und Kleinstädten der Zugzug von Asylbewerber und Umsiedler geregelt wird. Konfrontiert wird diese Situation mit dem Gocher „Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Weltkriege, des NS-Regimes, der Vertreibung und an die Bombennacht vom 7. Februar 1945“. Dieses Denkmal, das durch die Skulptur der „Drei Jünglinge im Feuerofen“ verbildlicht wird, bezieht sich auf einen alttestamentarischen Text des Propheten Daniel, in dem sich drei Juden weigern, das Denkmal des Herrschers Nebukadnezar anzubeten. Zur Strafe wurden sie in den Feuerofen getrieben. Als sie jedoch nicht verbrannten, lies sie der König ziehen.
Andreas Kaiser baut mit seiner Installation ein Gedankenraum auf, in dem sich unterschiedliche Deutungsansätze und Fragen an das Gedenken und Erinnern mit der aktuellen Situation von Flüchtlingen und Asylsuchenden verbinden.
Neben dieser ortsbezogenen Installation zeigt die Ausstellung die Werkgruppe der Lichtzeichnungen. Verschlossene hölzerne Kästen locken den Betrachter, seinen Blick durch ein kleines Okular zu werfen, das ihm den Einblick in den dunklen  Raum gewährt. Im Innern blickt man schließlich auf ein Geflecht von schwach leuchtenden Linien, das sich u.a. als Geflecht von Straßen identifiziert.
In Zusammenarbeit mit dem Schloß Agathenburg in Stade erscheint ein umfangreicher Katalog mit Abbildungen der Installationen in Goch und Agathenburg sowie zahlreichen Textbeiträgen.

Die Ausstellung wurde gefördert von:
Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW
Land Niedersachsen
Verband der westfälischen Wirtschaft

www.kaiserkunst.de

Der Maler und Bildhauer Rolf Kissel (geb. 1929) gehört zu wichtigen Vertretern der deutschen Nachkriegskunst.
Zeitgleich zu den Künstlern der Düsseldorfer Zerogruppe um Otto Piene, Günter Uecker und Heinz Mack vertritt Kissel die künstlerischen und ästhetischen Gedanken seiner Generation und artikuliert und formt sie maßgeblich mit. Er hat damit wesentlichen Anteil an der ästhetischen Wahrnehmung weit über seine Generation hinaus.
Ab 1961 entstehen die ersten monochromen Bilder mit denen sich Kissel zunehmend von der informellen Malerei seiner Zeit absetzt. An die Stelle der Gestik wird für Kissel das konkrete Bildobjekt gesetzt. Die Auflösung des illusionistischen Bildraumes wird für den Künstler zur zentralen künstlerischen Herausforderung. Er experimentiert mit Holzlamellen, die die Bildoberfläche gliedern und in den Raum hineinwirken, so dass das Licht zum eigentlichen Gestalter des Objektes wird. Diese Lichtreliefs werden auch zu begehbarer Architektur, wenn Kissel beispielsweise für die Waldschule in Leverkusen einen Raum konzipiert. (heute zerstört)

Die Ausstellung im Jahr 2012 vereinte bedeutende Werke aus der frühen Schaffenszeit von Rolf Kissel, der seine künstlerische Ausbildung an der Frankfurter Städelschule erhielt. Die Arbeiten in dieser Ausstellung korrespondieren mit jenen der Zerokünstler in unserer Sammlung und erweitern unseren Blick auf die herausragenden künstlerischen Impulse dieser Zeit.

Könige der Herzen ist der Name für eine lose Künstlergemeinschaft, die 1998 von den drei Künstlern Thitz (Stuttgart/Berlin), M.S. Bastian (Schweiz) und Thomas Baumgärtel (Köln) gegründet wurde.

 „Könige haben von jeher eine die Phantasie anregende Strahlkraft besessen, die in der Sagen- und Märchenwelt eine geradezu traumhafte Vielfalt und Ausdruckskraft erlangt hat. Nicht von ungefähr haben sich Bastian, Thitz und Baumgärtel diesen Mantel derKönige der Herzen umgehängt. Es geht ihnen in ihrer Kunst, in ihren Werken darum, über das Sichtbare und die inhalt­liche Dimension Stimmungen zu evozieren, die den Betrachter auf ein erweitertes Feld der Wahrnehmung führen. Kö­nige der Herzen wandeln auf populären Pfaden ohne ihres besonderen Adels verlo­ren zu gehen.
Drei Künstler, Könige der Herzen, vertreten drei Positionen der Gegenwartskunst, verwurzelt im Trivialen, Alltäglichen, und gerade deshalb umso glaubwürdiger in der jeweiligen Aussage. Sie verbindet die Vermittlung von Empfindungen unterschied­lichster Art in überzeugender Artikulation, begleitet von einem Zug des Kritisch-Heite­ren, angetan mit einem Hauch des Spielerischen und Verspielten, das der Ernsthaf­tigkeit der Kunst die Freiheit verschafft, mit Nachdruck wirken zu können“, so Otto Pan­newitz in einem früheren Katalogbeitrag.
In ihrer Gocher Ausstellung widmen sich die Könige dem Thema Kommunikation in einer globalisierten Gesellschaft. Die Internetseite www.koenigederherzen.de dient bereits seit Monaten den Künst­lern als Kommunikationsplattform.  Darüber hinaus ist über dieses Medium die Kommunikation mit den Besuchern und Interessierten möglich.
Für die Ausstellungsidee stehen sieben quadratische, ein Mal ein Meter messende Papierarbeiten, die zwischen Frühjahr und Sommer 2002 entstanden sind. Es han­delt sich um Gemeinschaftsarbeiten der drei Künstler, die zwischen den jeweiligen Aufenthaltsorten von Thitz, Baumgärtel und Bastian hin und her geschickt wurden, jeweils mit dem Ziel sie zu vollenden. Jeder hatte, einem alten Kinderspiel folgend, die Aufgabe, seine künstlerische Sprache einzubringen bis zu jenem Augenblick, da einer der Künstler das Werk von sich aus als beendet erklärt.
Auf diese Weise entstanden Gemeinschaftsarbeiten bei denen jeder die Chance er­hielt, auf Form und Inhalt seines Vorgängers zu reagieren. Zwischenstadien wurden nicht festgehalten und so verbergen sich hinter jedem nun sichtbaren Bild weitere Bildwelten, die für immer verborgen bleiben werden.
Dieses etwas langwierige künstlerische Verfahren begründet sich darin, dass es während der Vorbereitungsphase des Projektes nicht möglich war, alle drei Künstler für längere Zeit an einem Ort zusammenzubringen. Und so bedeuten die unzähligen Poststempel und Adressaten mehr als nur einen ästhetischen Reiz. Sie künden von langen Reisen, schildern die langen Wege, die vielen Hände die sie hielten und sind damit auch ein Zeichen für die globale Vernetzung in unserer Zeit.
Thema der farbigen Zeichnungen ist die Kommunikation, das Miteinander unserer Kulturen und der Dialog zwischen den Menschen. Ob es sich um die vielen bunten Menschen mit ihren roten und gelben Schuhen von Thitz, um die komikhafte Figuren- und Maskenwelt von M.S. Bastian oder um die zur „Kunstfigur“ mutierte Banane des Thomas Baumgärtel handelt, in einem Thema treffen sich die Künstler immer wieder: die Reflektion unserer existenziellen Bedingungen.
Parallel zu den großen Papierarbeiten pendeln unzählige Postkarten zwischen den Künstlern. Auch sie wurden künstlerisch bearbeitet, mit Bemerkungen versehen und erzählen nun von Reisen, die seit jeher zum Bild des Künstlers auf der Suche nach Inspiration gehören: romantisches Klischee trifft hier auf ein modernes Bild vom Rei­senden zwischen den Welten und Pendler zwischen den Kulturen.
Das Prozesshafte, das den Postkarten sowie den großen Gemeinschaftsarbeiten eigen ist, gehört zum wesentlichen Selbstverständnis aller drei Künstler. Die perma­nente Veränderung der Welt spiegelt sich in der außerordentlichen Vitalität der Ar­beiten wieder. Das unmittelbare Reagieren auf die Vorlagen des Künstlerkollegen erfordert dabei nicht nur Reflektion über die eigene und die andere Arbeit, vielmehr auch die Zurücknahme eigener Vorstellungen, Diskussionen und Konfliktlösungen, ein künstlerischer Ansatz, der für die Drei durchaus gesellschaftspolitische Ideale veranschaulicht.

www.koenigederherzen.de

www.bananensprayer.de
www.thitz.de

Zum 70. Geburtstag von David Koloane würdigte das Museum Goch 2008 mit bisher unveröffentlichten Arbeiten auf Papier das Wirken eines der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Südafrikas. Die Ausstellung umfasst ca. 50 Arbeiten aus den Jahren 1999 bis 2008, darunter Ölkreiden und Graphitzeichnungen.
„Während ich aufwuchs glaubte ich, dass es für einen Schwarzen nicht erlaubt sei Künstler zu werden, weil ich ganz einfach keinen farbigen Künstler in unserer Gesellschaft kannte“, so der Künstler.
In seinen großformatigen Blättern schildert Koloane das Leben und die Städte seines Landes. Charakteristisch für ihn ist der stark expressive, gestische Duktus mit dem er das Papier in einer unglaublichen Dichte überzieht, ja bisweilen traktiert und zerstört. In jedem Blatt wird das Ringen um eine Annäherung von Form und Inhalt deutlich, wie wir dies etwa auch im deutschen Expressionismus finden. Das Museum Goch zeigt Stadtansichten von Johannesburg, Blicke in die Straßenfluchten in denen sich die Pendler der Großstadt drängen. Die berühmten Bilder der streunenden Hunde sind ebenso vertreten, wie die Ansichten auf die Hochhaussilhouette bei Vollmond mit dem legendären Coca Cola Schriftzug. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Stadt und die Verletzlichkeit des Individuums sind das große Thema seiner Zeichnungen. Die Portraits der Prostituierten sind besonders beeindruckende Zeugnisse dieser Werkgruppe. Die Geschwindigkeit der Großstadt und die sich im Wandel befindliche Gesellschaft Südafrikas sind ihm eigene Motive, die er in eindringlicher, expressiver Weise umzusetzen versteht.
David Koloane wurde 1938 in Alexandra (Johannesburg) geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er im Township. Als Kind der Apartheid wurde er entscheidend von Albert Luthuli, dem legendären Präsident des ANC und Friedensnobelpreisträger beeinflusst und politisch geprägt. Auf diese Weise geführt, erkannte Koloane bereits in den 50er Jahren, die Bedeutung des gemeinsamen Kampfes der Schwarzen Bevölkerung gegen das Apartheidregime. David Koloane studierte bei Bill Ainslie an der Johannesburg Art Foundation in der Zeit von 1974 bis 1977. Dies war in jenen Jahren die einzige Möglichkeit für Schwarze ein Kunststudium zu absolvieren. Nach einer Zeit an der Londoner Universität, wo er kunsthistorische und museologische Studien betrieb, kehrte er nach Südafrika zurück. Er gründete in den 70er Jahren die erste Galerie für schwarze Künstler im Land und 1991 mit Freunden die Bag Factory, ein Atelierhaus in Johannesburg, das bis heute eines der wichtigsten Zentren der jungen Kunstszene darstellt. Noch heute hat David Koloane dort in der ehemaligen Taschenfabrik sein Atelier. David Koloane ist einer der bedeutendsten Künstler Südafrikas. In zahlreichen Ausstellungen und mit zahlreichen Preisen geehrt, ist er heute nicht nur als Künstler sondern auch als Kurator und Mentor für die junge Kunstszene seines Landes unermüdlich unterwegs und engagiert. 1998 erhielt er den höchsten niederländischen Orden, den Prince Klauss Fund Award.

Der Katalog zur Ausstellung erschien im Kerber Verlag, Bielefeld;Texte: Matthias Schamp und Stephan Mann, 64 Seiten.
Mit freundlicher Unterstützung der Daimler AG, allsport event marketing, Goch, Kässbohrer, Goch, Seippel Galerie, Köln/Johannesburg und kunst:raum sylt quelle.

Vogelnetze, Schaumstoffrollen, Plastikfolien – auf den ersten Blick sind die Materialien in der Ausstellung „Blickinstrumente“ von Michael Kolod alte Bekannte aus dem Baumarkt, einzusetzen auf Baustellen, im Garten oder in der Küche. Michael Kolod, geboren 1951 in Wuppertal und Absolvent der Frankfurter Städelschule, nimmt die Materialien, die ihm der Baumarkt bietet, als Ausgangspunkt für Erkundungsreisen in die Fähigkeit des menschlichen Auges, Farben wahrzunehmen – und zwar dort, wo sie „eigentlich“ nicht ist: Farbe schwingt in der Luft, an der Wand, in den Zwischenräumen, ohne direkt gemalt zu sein. Was bei einem Saiteninstrument das Zupfen der Saiten ist, das den Klang erzeugt, ist bei Kolods Arbeiten das farbliche „Anspielen“ des Materials, das den „Farbklang“ erzeugt und die Luft und den Raum farblich auflädt und in Schwingung versetzt. Dass die Materialien, mit denen der Künstler arbeitet, alltäglich sind, ist ein Erkennungszeichen des Frankfurter Künstlers. Ihm geht es in seinen Arbeiten um die verborgenen Qualitäten, die sich erst einem beruhigten, langsamen Sehen und Betrachten erschließen. Was sie zart und kostbar wirken lässt, liegt also nicht in dem im wahrsten Sinne banalen, alltäglichen Ursprungsmaterial, sondern in der Behandlung, die der Künstler ihnen angedeihen lässt. Er würdigt sie, anders als wir es sonst tun, eines zweiten Blickes und entfaltet, oftmals im Wortsinn, ihre verschwiegenen Eigenschaften. Er nimmt sich die Zeit, dem „Wesen“ dieser Gebrauchsmaterialien auf die Spur zu kommen. „Jedes Material – sei es Folie, Schaumstoff oder Papier – hat sein ureigenes Artikulationsrepertoire. Ich kann mit einem Netz etwas machen, was mit keinem anderen Material möglich ist – nämlich eine bestimmte Art von Transparenz erzielen – durch die Kombination von Substanz mit ihren Zwischenräumen“, so Michael Kolod. Neben Schaumstoffspiralen und Folienarbeiten sind in der Gocher Ausstellung im Dachgeschoss des Museums auch eine Vielzahl von Aquarellen zu sehen. Im „schwarzen Kabinett“, dem Graphikkabinett innerhalb der ständigen Sammlung, werden die Papierarbeiten nach und nach „aufgeblättert“, und wie in einem Entwicklungslabor können die Betrachter dem Künstler bei der Arbeit zuschauen und dabei die Entstehung von Formen nachvollziehen.

Gereon Krebber (*1973) konzipierte für die Ausstellungsräume des Museums Goch neue Skulpturen. Mächtige Formen schieben sich in die Räume, hängen, scheinen zu schweben oder stehen wie tonnenschwere Monolithe auf dem Parkett. Die Widersprüchlichkeit von Materialität und Form ist ein zentrales Motiv im Werk des Künstlers, der 2007 den Kunstpreis „junger westen“ gewann und jüngst das Arbeitsstipendium des Kunstfonds erhalten hat. Die beiden Ausstellungsräume in Goch haben Gereon Krebber zu ganz neuen Werkgruppen inspiriert. Auch sie weisen jene Ambivalenz auf, mit der Krebber immer wieder verblüfft und den Besucher herausfordert. Kennzeichnend für seine Arbeitsweise ist die Verwendung einfachster Materialien. Dabei kombiniert er in Goch traditionelle Werkstoffe wie Eisen, Holz und Gips mit eher ungewöhnlichen Materialien wie Zucker, Wachs, Folie oder auch Styropor. Mit sorrysorrysosorry entschuldigt sich der Künstler dabei nicht in erster Linie beim Besucher, vielmehr bei den Museumsverantwortlichen, den Kuratoren, so als ob er es eben nicht besser hätte machen können. Das Museum als „white cube“ wird von Krebber auf höchste herausgefordert und pointiert. Und wieder einmal stellt der Künstler Räume in Frage, mit denen man sich doch eigentlich längst abgefunden hat. Der Besucher betritt die Räume, ist beeindruckt von den mächtigen Formen, die jetzt so selbstverständlich und mit großer Leichtigkeit den Raum beherrschen. In der Annäherung an das Objekt entsteht schließlich die für Krebber typische Materialverunsicherung. Man möchte, ja man muss es anfassen, um es zu begreifen, um die eigene Irritation aufzulösen. Allein die Etikette des Ortes Museum verbietet es dem Besucher: sorrysorrysosorry. So bleibt auch in Goch ein Bedeutungsraum, der vom Besucher erfahren und sehr persönlich gefühlt werden muss.
Gereon Krebber studierte zunächst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Hubert Kiecol bevor er seine Studien am Royal College of Art in London fortsetzte.

In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Essen, dem Kunstverein Leverkusen sowie der Stiftung Kunstfond entsteht im Herbst eine Publikation, die die Arbeiten des Jahres 2008 zusammenfassen wird.

www.gereonkrebber.net

Neben seinen Objekten und Installationen bilden die Arbeiten auf Papier eine ganz eigene Werkgruppe im künstlerischen Werk des 1948 in Dortmund geborenen Künstlers. Zwischen 1990 und 1992 war Krian Gaststipendiat der Villa Romana in Florenz, ein Aufenthalt, der nachhaltig den Charakter seines künstlerischen Werks prägte.
Bereits der Titel Unterbodenschutz, Ölspachtel, Schellack  macht deutlich, dass wir es nicht mit klassischen Papierarbeiten (Bleistift, Tusche, Kohle etc.) zu tun haben. Erich Krian überführt diese, aus der Auto- und Lackierwerkstatt  bekannten Materialien in eine abstrakte Bildwelt, die sich durch ihr meist strenges formales Gerüst aber auch hohe sinnliche Empfindlichkeit auszeichnet.
Die Ausstellung im Museum Goch umfasste ca. 120 Arbeiten auf Papier und gibt erstmals einen repräsentativen Überblick über dieses künstlerische Medium im Werk von Erich Krian. Ergänzt wird die Präsentation von einer in den Straßenbelag vor dem Museum eingelassenen Installation aus Betonringen. Diese Außenskulptur korrespondiert mit einer entsprechenden plastischen Arbeit in den Ausstellungsräumen. Im Anschluss wird die Ausstellung u.a. im Kunstverein Münsterland sowie in der Städtischen Galerie Albstadt zu sehen sein.
Aus Anlass der Ausstellung erwarb das Museum Goch das Künstlerbuch Fragmente aus dem Depot aus dem Jahr 1999. Das großformatige Buch ist in einer Auflage von 27 Exemplaren erschienen und in einem handwerklich aufwendigen Verfahren hergestellt worden. Mit Texten und im Original eingelegte Zeichnungen von Erich Krian erweitert das Buch den Bestand an Künstlerbüchern in unserem Museum und wird erstmals während der Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Le Déjeuner Sur L’Herbe – Zoo 1993/2009
Die italienische Film- und Videokünstlerin Donatella Landi (* 1958, Rom) ist zum ersten Mal mit einer umfassenden Einzelausstellung in Deutschland zu sehen. Thema der Ausstellung in unserem Haus Goch ist das Thema Natur. Für die Videoinstallation greift Donatella Landi auf das frühere Werk „Zoo“ zurück. Dieses Vorgehen ist typisch für die Arbeitsweise der Künstlerin, die sich gerne auf bereits bestehende Werkgruppen bezieht, sie aber mit aktuellen Themenstellungen konfrontiert und damit neu bewertet. Für die neue Arbeit entstand am Niederrhein eine Videoarbeit mit dem Titel „Le déjeuner sur l’ herbe“. Landi greift auf das berühmte Gemälde aus dem Jahr 1863 Eduard Manets zurück. Ihr Blick in die Landschaftsidylle in der Mensch und Natur im Einklang miteinander leben, konfrontiert sie nun mit den Filmsequenzen aus Zoologischen Gärten in Italien. Der Betrachter wird direkt mit dieser Situation konfrontiert. Ein schmaler Raum zwischen den Projektionen schenkt ihm keine Ausweichmöglichkeit und lässt ihn unmittelbar Teil der Situation werden. Mit ihren subtilen Bildern gelingt es der Künstlerin zu erzählen und den Betrachter in das spannungsreiche Gegenüber von Mensch und Tier einzubeziehen. Ohne pädagogische Hintergedanken schafft Donatella Landi eine große emotionale Dichte, die den Besucher gefangen nehmen wird. Dieses Thema wird in weiteren Arbeiten dieser Ausstellung weiter ausgeführt. Das Video „Giardino Perduto“ entstand in den Botanischen Gärten von Rom, Neapel und Palermo. Mit der Handkamera erforscht die Künstlerin die üppig wuchernde Natur und bahnt sich einen Weg durch die großen Gewächshäuser. Der Betrachter wird diese Bilder nur schwer wahrnehmen können. Durch einen Bretterzaun von der Leinwand getrennt, hat er nur die Möglichkeit durch wenige Schlitze den Film zu sehen. Das Bild vom Paradiesgarten, des umschlossenen „hortus conclusius“ wird hier von der Künstlerin zitiert. Ein ganz anderes Erlebnis von Natur ist die Toninstallation „Spaziergang zum Fluß“, die in unsere ständigen Sammlung integriert wird. Hier begleitet der Zuhörer die Künstlerin auf dem Weg durch die Natur. Er lauscht den Blättern unter ihren Füßen, dem Atem und den vielfältigen Klängen der Umgebung. Mit ihrer Installation im Museum Goch konfrontiert uns die Künstlerin auf unterschiedlichen sinnlichen Erfahrungsebenen mit der Bewusstwerdung über sich selbst und die uns umgebende Welt.

Die Ausstellung war Teil des Gemeinschaftsprojektes „Different PLACES – Different STORIES“ des Odapark Venray, des Kulturraumes Niederrhein e.V. sowie den mitwirkenden Städten und Gemeinden und weiteren Veranstaltern zwischen Rhein und Maas.
Gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes NRW.

Ferdinand Langenberg (1849–1931) war ein in der Formensprache der Neugotik arbeitender Bildhauer, der für zahlreiche Kirchen am Niederrhein und in den Niederlanden gearbeitet hat. Seine Kunst orientierte sich an bedeutenden Vorbildern aus dem Spätmittelalter und war eher epigonal als künstlerisch-autonom geprägt.
Ferdinand Langenberg wurde am 7.4.1859 in Goch als Sohn eines Kupferschlägers (1815 –1878) geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter verbrachte er viel Zeit bei seinem Großvater, einem Zimmermann in Kalkar. Hier begann seine erste Affinität zum Material Holz. In Kalkar prägten ihn außerdem die bedeutenden spätgotischen Schnitzaltäre in der Kirche St. Nicolai. Seine Ausbildung begann Langenberg im niederländischen Boxmeer als Lehre bei einem Bildschnitzer. Seine Wanderschaft führte ihn unter anderem durch München und Aachen, wo er als Geselle in die Werkstatt des neugotischen Bildhauers Friedrich Wilhelm Mengelberg (1837-1919) eintrat. 1872 war er wiederum in München, wo er sich 1873 an der Kunstakademie bei Professor Josef Knabl (1819-1881) in der Klasse für christliche Plastik einschrieb.
1876 kehrte er nach Goch zurück und heiratete Henriette Buekers (1848-1925) . Er begründete noch im gleichen Jahr gemeinsam mit seinem Bruder Alois eine Steinbildhauerwerkstatt in der Roggenstraße.
Für die nachfolgenden kirchlichen Aufträge war auch die Bekanntschaft zu dem Kirchenmaler Friedrich Stummel (1850-1919) aus dem benachbarten Kevelaer von Bedeutung. 1885 gelang Langenberg mit der Vorstellung eines Altarmodells in Münster der Durchbruch. Im folgenden Jahr hatte die Gocher Werkstatt, die auf Altarbauten umgestellt wurde, bereits 14 Gesellen. Künstlerisch außerordentlich bedeutend war für Langenberg 1892 der Auftrag zur Restaurierung der spätgotischen Altäre in der Kirche St. Nicolai in Kalkar. Er lernte unter anderem den Düsseldorfer Architekten Caspar Clemens Pickel (1847-1939)kennen. Durch den Düsseldorfer Architekten kann Langenberg seinen Wirkungskreis auf die rheinischen Großstädte ausdehnen.
Langenberg erhielt zunehmend große Aufträge für Altäre am Niederrhein sowie in den benachbarten Niederlanden. Um 1900 beschäftigte die Werkstatt 30 Mitarbeiter. 1902 erhielt er auf der Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeausstellung die Silberne Staatsmedaille für einen Hochaltar in Voerst. Joseph Windhausen (1865-1936), ein vom Dienst befreiter Priester wurde zum ständigen Berater Langenbergs und zog in sein Gocher Wohnhaus ein. 1925 übergab Langenberg seine Werkstatt an seinen Sohn Josef. Am 17.2.1931 starb Ferdinand Langenberg. Seine Werkstatt löste sich 1936 nach dem Tod Joseph Windhausens auf.
Ferdinand Langenbergs Leistung war es, inmitten einer zunehmend säkularen Zeit die spätgotische Formensprache neu zu beleben. Er orientierte sich dabei eng an den Vorbildern, insbesondere an den Kalkarer Altären. Zahlreiche Mappenwerke in seinem Nachlass belegen das intensive Studium der großen Kathedralen und Kirchen des 14. und 15. Jahrhunderts. Langenberg fertigte im Wesentlichen eigenhändige Entwürfe für seine Altäre an; diese ausgesprochen architektonischen Zeichnungen bildeten den Grundstock für die Übertragung in das Material Holz. Für seine Figuren nutzte Langenberg die Fotografie als Studie, indem er seine Gesellen in den notwendigen Posen und Gruppen fotografierte und diese Aufnahmen als Vorlagen für eine Übertragung in die Dreidimensionalität nutzte. Ausgesprochen freie oder gar autonome Handzeichnungen sind von ihm nicht überliefert.

Die Bedeutung Ferdinand Langenbergs lässt sich nur im Zusammenhang der Neugotik und darüber hinaus der politischen und kulturellen Entwicklung in der Zeit des Kulturkampfes bewerten. Die Katholiken im Rheinland sahen den Bau neugotischer Kirchen und ihre Innenausstattung als kirchenpolitische Haltung und antipreußische Demonstration an. Außerdem lässt sich an und in den rheinischen Kirchen dieser Zeit ein neu erwachtes Selbstbewusstsein der katholischen Kirche im Rheinland erkennen. Ferdinand Langenberg gehörte zu jenen antipreußisch eingestellten Kreisen, die sein Werk nachhaltig geprägt haben.

Literatur
Renaissance der Gotik. Ferdinand Langenberg. Neugotische Kunst am Niederrhein, Ausstellungskatalog Museum Goch, hg. von Stephan Mann, Goch 1999.
Renaissance der Gotik. Widerstand gegen die Staatsgewalt, hg. von Ulrike Schubert und Stephan Mann. Kolloquium zur Kunst der Neugotik, Museum Goch 2002, Goch 2003.

Stephan Mann (2010)

Mit Mirko Martin hatten wir 2008 einen jungen Foto- und Videokünstler zu Gast, der 2007 die Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig verließ. 1976 in Sigmaringen geborenen, hält er sich seit 2005 u.a. als Stipendiat des DAAD regelmäßig in Kalifornien auf. 2007 erhielt er den Nordwestkunstpreis der Kunsthalle Wilhelmshaven sowie in diesem Jahr den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie.
In unserer Ausstellung zeigte der Künstler neue Foto- und Videoarbeiten, die u.a. während seines Studienaufenthaltes in Kalifornien im ersten Halbjahr 2008 entstanden. In diesen, in der losen Serie L.A. Crash zusammengefassten Arbeiten, geht es ihm um das Spiel mit der Realität: Viele der Aufnahmen entstanden an Filmsets im öffentlichen Raum von Downtown L.A. Mirko Martin spielt mit diesen uns bekannten Motiven und stellt sie wie Episoden aus einem Film nebeneinander. Und so wirken die Motive auch wie Stills aus unterschiedlichen Filmen und bedienen unser Cliché von Los Angeles und der Westküste. Dies ist aber nur die sichtbare Botschaft dieser Fotos. Durch eine bildnerische Verdichtung der Geschehnisse sowie die nachträgliche Zusammenstellung der Aufnahmen lässt er jene Realität entstehen, die es uns unmöglich macht, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Im Werk des Künstlers durchdringen sich beide Ebenen so selbstverständlich und unsichtbar, dass der Betrachter mit der Frage konfrontiert wird „welche Art von Wahrheit den Fotografien entnommen werden kann“. (Mirko Martin)
„Der Betrachter soll zu einer rekonstruierenden Detektivarbeit verleitet und auf Codes zurückgeworfen werden, anhand derer wir Fotografien entschlüsseln“, so Mirko Martin.
Zu sehen waren ebenso das Video „The legend of Zorro“, eine Videodoppelprojektion aus dem Jahr 2006. Das Videomaterial wurde im Oktober 2005 bei der Weltpremiere des Films The Legend of Zorro in Downtown Los Angeles aufgenommen. Die Parallelprojektion der Bilder in der Installation stellt Verbindungen her zwischen den ausgeschlossenen, überwiegend lateinamerikanischen Zuschauern, dem Filmpersonal auf dem roten Teppich sowie der Handlung des Films. Der beigefügte Text enthält Hintergrundinformation zur Figur des Zorro und deren Bezug zur Geschichte Kaliforniens.
Mirko Martin lässt uns für kurze Zeit eindringen in die Traumfabrik Hollywoods, um uns schließlich fragend nach der Realität der Bilder zurück zu lassen. In diesem Dialog sind diese Bilder und Videoarbeiten von großer Aktualität.

Der Katalog zur Ausstellung wurde gefördert durch die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze.

www.mirkomartin.com

Die rumänische Videokünstlerin Aurelia Mihai (* 1968, Bukarest) zeigte 2007 mehrere Videoarbeiten, darunter zwei Erstauführungen: Der in Goch gedrehte Film „Transumantia“  sowie die in Rom entstandene Produktion „Von Herzen“.
Transumantia, eine zweikanalige Videoinstallation, wurde im Frühjahr 2007 in Goch gedreht. Die Künstlerin reflektiert in diesem Werk die periodische Wanderung von Schafherden, die sog. Transumanza (lat. trans: „über“, humus: „Erde“). Dabei handelt es sich um die traditionelle Art der Schafhaltung, wie sie in Europa vorherrschend war und wie sie für viele Völker, so z.B. in Rumänien, zum ethnischen Selbstverständnis und zur kulturellen Identifikation gehört. Diese Traditionen stehen nun in deutlichem Wiederspruch zu neuen EU Richtlinien, die die Durchführung für die Schäfer erheblich erschwert bis unmöglich macht. In dem nun entstanden Film inszeniert Aurelia Mihai diese alten Traditionen und überträgt sie in unsere Zeit, in dem sie zur Produktion Helikopter, Flugzeuge und LKWs einsetzt und die Stadt Goch als Filmkulisse benutzt. Zwischen Fiktion, Tagtraum und (Pseudo-) dokumentarischer Beschreibung wird der Betrachter durch vordergründige, nahezu wissenschaftlicher Plausibilität und der authentischen Faszination des Kamerablicks, sowie durch die Imagination der suggestiven Schilderung in den Bann gezogen. Mit weiteren Filmen der letzten Jahre gibt die Ausstellung einen sehr guten Einblick in das Schaffen der Videokünstlerin, die sich zur Zeit als Stipendiatin der Villa Massimo in Rom aufhält. Aurelia Mihai sucht in ihren Filmen kulturelle Traditionen und Spannungen offen zu legen und übersetzt diese in faszinierende Bilder und Filmsequenzen.

Das zentrale Ausdrucksmittel für Michael Mohr ist die Farbe. Seine Bilder leben vom ausgeprägten Sinn für farbliche Zusammenhänge, in die der Künstler immer neu eintaucht. Im Rückblick auf über zehn Jahre lässt sich die große Kontinuität und künstlerische Konsequenz aufzeigen. Es geht dem Künstler dabei nie um eine Entscheidung von Gegenständlichkeit oder Abstraktion, auch nicht um die Frage der Modernität von Malerei. Ein wichtiges Element in seinem Werk ist die hohe kolonistische Sensibilität.
Die Suche nach kompositorischer Ausgeglichenheit führte ihn vor Jahren schon zum quadratischen Bildformat, das einen nach allen Seiten hin gleichberechtigten Bildraum schafft. Seine Bilder entstehen zwar nicht in Serien, farbliche und gestalterische Gruppen lassen sich jedoch sehr wohl mit einem gewissen zeitlichen Abstand aus seinem Werk herauslesen.
Ob es sich um die „abstrakten“ Bilder, den Blick auf die Natur oder das Selbstbildnis handelt, stets sind die unterschiedlichen Motive nur ein Vorwand für den Künstler, einmal mehr malerische Strukturen in der Welt zu entdecken und zu gestalten.
Die Ausstellung sowie das umfangreiche Katalogbuch spannen erstmals einen Bogen auch zu den früheren Arbeiten.
Michael Mohr wurde 1964 in Fulda geboren, studierte 1982 bis 1988 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künstler – Städelschule – in Frankfurt am Main und lebt dort.

Mit der Ausstellung, die 1999 im Museum Goch gezeigt wurde, konnten wir sowohl die Zeichnungen wie auch Skulpturen des Bildhauers Dieter Oehm erstmals umfassend zeigen. Inzwischen besitzt das Museum, finanziert durch den Verein der Freunde und Förderer e. V. eine große Skulptur, die den Eingangsbereich des Museums flankiert sowie einige Zeichnungen.

Dieter Oehms Skulpturen sind trotz ihrer massiven Ausfertigung fragile Geschöpfe, deren Aufbau einer notwendigen Tektonik zu trotzen scheinen.
Die spielerisch, additiv zusammengesetzten Holzkörper, oftmals handelt es sich nur um flache, einige Zentimeter dicke Platten, umkreisen das innere Zentrum der Figur, ohne daß das Zentrum selbst mittels Masse definiert wird. Vielmehr entwickelt sich ein reizvolles Spiel zwischen negativ bestimmter Leere auf der einen, und der diese Leere umgebenden Volumina auf der anderen Seite. Auf diese Weise greift der, die Figur umgebende Raum formbildend in die Skulptur ein, er dringt in sie ein und verleiht ihr Stabilität.
Das Aufbrechen des Holzkörpers führt zu reizvollen Aus- und Durchblicken, die den Figuren ihren leichten Charakter verleihen. Sie werden Teil der sie umgebenden Natur und auf diese Weise zum »Zeitunterbrecher« sie halten die Zeit an, sie stehen mächtig wie Zeichen in ihrer Landschaft und ziehen aufgrund der eigenen Fragilität den scheinbar sicheren Stand des Betrachters infrage.»Dieter Oehms monochrom bemalte Holzarbeiten sind belebte Skulpturen, denen der Künstler einen festen Platz zuordnen möchte, einen Raum, in dem sie für lange Zeit aus ihrer Stille heraus zum „Atem neuer Wirklichkeit“ werden.«

Die freibleibenden Räume im Innern der Skulpturen gewähren nicht nur Durchblicke, sondern werden auch zum Raum für das in sie eindringende Tageslicht. Die auf diese Weise erzielte Belebung der Arbeiten verweist unmittelbar auf das, mit den skulpturalen Arbeiten eng korrespondierende zeichnerische Werk von Dieter Oehm.
Die Blei- und Farbstiftzeichnungen des Künstlers, die oftmals der Größe der Skulpturen um nichts nachstehen, müssen gleichberechtigt neben seinem plastischen Schaffen bewertet werden. Die die Skulptur vorbereitende Ideenskizze ist in seinem Werk ebenso vertreten, wie die autonome, in sich abgeschlossene Komposition. Aber auch in seinen freien, von der konkreten Skulptur unabhängigen Zeichnungen versucht Dieter Oehm das Thema von Form, Energie und Licht anzugehen und künstlerisch zu verarbeiten.
Die Spannung und expansive Kraft, die den Zeichnungen eigen ist, liegt in der Konfrontation der vehemmenten, bis hin zur Aggressivität neigenden Handschrift des Künstlers und der Einfügung geometrischer Flächen, die oftmals nur durch ihre Umrißlinie definiert, auf dem Blatt stehen. Auf diese Weise erzeugt Oehm einen Tiefencharakter, der in einen unmittelbaren Dialog mit dem intensiv strahlenden Gelb tritt, das Oehm, neben Rot und Blau als zusätzliche Farbe in seine Zeichnungen einbringt. Die Beziehung, die auf der Zeichnung zwischen Farbe, künstlerischer Handschrift und geometrisch gefasster Leere entsteht, entspricht dabei der Spannung, aus deren Geist auch Oehms Skulpturen auf uns wirken.
Die Bündelung und Freisetzung von Energie, das Entstehen von Energie- und Leerräumen und die gegenseitige Durchdringung dieser Felder, ist Dieter Oehms künstlerisches Thema. Während ihm in der Zeichnung die persönliche, sehr direkte Handschrift sowie die verwendeten Farben zur Umsetzung der Idee zur Verfügung stehen, bleibt die Skulptur auf einer abstrakteren, sich nicht in gleicher Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit erschließenden Ebene.
In seinen Zeichnungen gelingt es Dieter Oehm, sich von den natürlichen Grenzen der dreidimensionalen Skulptur zu lösen und das Zeichenblatt zu einem autonomen, keinen Gesetzen unterworfenem Energiefeld zu machen. Das Gestalten des Raumes, die Begegnung von Form und Fläche in diesem Raum und die in dieser Spannung imaginär freigesetze Energie ist eines der zentralen Motive in Oehms Schaffen, das die Skulptur wie die Zeichnug thematisch verbindet.
Stephan Mann (1997)