Martin, Mirko (2008)

Mit Mirko Martin hatten wir 2008 einen jungen Foto- und Videokünstler zu Gast, der 2007 die Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig verließ. 1976 in Sigmaringen geborenen, hält er sich seit 2005 u.a. als Stipendiat des DAAD regelmäßig in Kalifornien auf. 2007 erhielt er den Nordwestkunstpreis der Kunsthalle Wilhelmshaven sowie in diesem Jahr den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie.
In unserer Ausstellung zeigte der Künstler neue Foto- und Videoarbeiten, die u.a. während seines Studienaufenthaltes in Kalifornien im ersten Halbjahr 2008 entstanden. In diesen, in der losen Serie L.A. Crash zusammengefassten Arbeiten, geht es ihm um das Spiel mit der Realität: Viele der Aufnahmen entstanden an Filmsets im öffentlichen Raum von Downtown L.A. Mirko Martin spielt mit diesen uns bekannten Motiven und stellt sie wie Episoden aus einem Film nebeneinander. Und so wirken die Motive auch wie Stills aus unterschiedlichen Filmen und bedienen unser Cliché von Los Angeles und der Westküste. Dies ist aber nur die sichtbare Botschaft dieser Fotos. Durch eine bildnerische Verdichtung der Geschehnisse sowie die nachträgliche Zusammenstellung der Aufnahmen lässt er jene Realität entstehen, die es uns unmöglich macht, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Im Werk des Künstlers durchdringen sich beide Ebenen so selbstverständlich und unsichtbar, dass der Betrachter mit der Frage konfrontiert wird „welche Art von Wahrheit den Fotografien entnommen werden kann“. (Mirko Martin)
„Der Betrachter soll zu einer rekonstruierenden Detektivarbeit verleitet und auf Codes zurückgeworfen werden, anhand derer wir Fotografien entschlüsseln“, so Mirko Martin.
Zu sehen waren ebenso das Video „The legend of Zorro“, eine Videodoppelprojektion aus dem Jahr 2006. Das Videomaterial wurde im Oktober 2005 bei der Weltpremiere des Films The Legend of Zorro in Downtown Los Angeles aufgenommen. Die Parallelprojektion der Bilder in der Installation stellt Verbindungen her zwischen den ausgeschlossenen, überwiegend lateinamerikanischen Zuschauern, dem Filmpersonal auf dem roten Teppich sowie der Handlung des Films. Der beigefügte Text enthält Hintergrundinformation zur Figur des Zorro und deren Bezug zur Geschichte Kaliforniens.
Mirko Martin lässt uns für kurze Zeit eindringen in die Traumfabrik Hollywoods, um uns schließlich fragend nach der Realität der Bilder zurück zu lassen. In diesem Dialog sind diese Bilder und Videoarbeiten von großer Aktualität.

Der Katalog zur Ausstellung wurde gefördert durch die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze.

www.mirkomartin.com

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