Der Frankfurter Fotograf Peter Loewy zeichnet sich in seiner Fotografie durch einen höchst sensiblen und eher stillen und leisen Zugang zu den Dingen aus, denen er sich nähert. Es sind meist Werkgruppen, in die sich sein Werk einteilen lässt, Bildserien wie etwa die Dokumentation des Frankfurter IG Farben Hochhauses oder die „private collection“ bei der Loewy die Ateliers von ihm geschätzten Künstlerinnen und Künstler porträtiert.

In der in Goch erstmals präsentierten Werkgruppe wählte Peter Loewy 150 Fotos aus seinem Handymagazin aus und stellt sie in die Öffentlichkeit des Museums. Wie verändert sich unser Blick, unsere Wahrnehmung, wie ordnet sich die Handyfotografie in die Geschichte der Fotografie ein, diese und weitere Fragen stellen wir in dieser Ausstellung zur Diskussion.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog im Pagina Verlag mit einem Beitrag von Christiane Kuhlmann. Das Buch umfasst 150 Fotografien sowie die Texte in deutscher und englischer Sprache.

Die erste Ausstellung mit Werken von Peter Loewy war vom 26.2. bis 12.6.2010 im Museum Goch zu sehen.

Die Zeichnerin Katharina Hinsberg wurde 1967 in Karlsruhe geboren. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in München (1989/1990) und anschließend an der Hochschule der Bildende Künste Dresden (1990-1993). Es schloss sich schließlich ein Studium an der Ecole des Beaux Arts in Bordeaux (1993-1995) an.
Seit 2011 ist die Künstlerin Professorin für konzeptuelle Malerei an der Hochschule der Künste Saar. Sie lebt und arbeitet auf dem Museumsgelände Raketenstation Hombroich bei Neuss. 2013 erhielt sie den Förderpreis des Künstlerinnenpreises Nordrhein-Westfalen.

In ihrem Werk erweitert Katharina Hinsberg kontinuierlich den Werkbegriff der Zeichnung.
Zeichnen kann wie Regnen beginnen, manchmal mit dem Klopfen eines Stiftes auf Papier. Dann gibt es das Prasseln mit Fingernägeln und -kuppen oder -kappen, Kappen mit Graphitminen als Krallen, Krallen, die man dann kappen kann, abschneiden, oder einschneiden“, so Hinsberg.
Die Gegenständlichkeit ist nicht das Anliegen der Künstlerin, vielmehr steht die Linie selbst im Fokus ihrer Studien: „Mag ich vom Anschaulichen absehen, sind es Markierungen oder Grenzen, die etwas Weites, Vages wahrnehmbar verzeichnen. Ein Blatt Papier ist an unzähligen Stellen berührbar, verletzbar auch. Der Stift markiert nur Orte, und unterscheidet sie, das Unentschiedene bleibt unbestimmt.

Für ihre Arbeit im Museum Goch entstand in diesem Sommer in Rom eine Werkgruppe, die nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Dabei handelt es sich um Schnitte in Papier durch die die Künstlerin Gitterstrukturen erzeugt. Je nach Intensität und Quantität entstehen Fehlstellen, Löcher und Verletzungen des Papiers, die als Negativform wiederum als Ornament sichtbar werden. „Wie lange lässt sich ein Motiv noch erkennen? Wann wird die Gestalt unmotiviert (Beliebig)?“, diesen Fragen geht Katharina Hinsberg in diesen Blättern nach, die in ihrer Fragilität unsere Wahrnehmung aufs Äußerste herausfordern.

Jon Moscow, 1969 in Cleethorpes, England geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf.
In seinen surrealen Raumwelten erschafft er höchst spannende, gleichsam aber auch divergente Bildwelten. Seine Installationen sind allumfassend, beziehen sich aufeinander und doch bleibt jede einzelne Arbeit autonom.

In der Arbeit für das Museum Goch, die im Winter 2013 für das Museum geschaffen hat, befinden wir uns im Dschungel der Datenströme. Wir bewegen uns auf dem vollständig mit der Londoner Financial Times ausgelegten Fußboden. Auch die Fenster sind mit den Bögen des internationalen Handelsblattes bedeckt. Kein Sonnenlicht, das nicht durch Börsenkurse gefiltert wurde, erreicht den Ausstellungsraum. Im Innern wird dieses Motiv dann aber durch zahlreiche weitere Zutaten radikal gebrochen. Für den Künstler sind dies alles „Zutaten für ein zeitgenössisches mythisches Gericht“, mit denen er die Imagination in hohem Maße herausfordert.

Jon Moscow fügt Dinge zusammen die in unserem allgemeinen Verständnis nicht zusammen gehören und doch scheint uns jedes einzelne Objekt vertraut. Erst mit der Summe des Ganzen, entwirft er ein Szenario, das den Besucher zunächst verwirrt. Doch bei einem genauen Blick erschließt sich dem Betrachter Schritt für Schritt seine künstlerische Welt. Viele Skulpturen erzählen eine Geschichte. Sie beziehen sich auf das Hier und Jetzt und stellen so auch einen Spiegel unserer gegenwärtigen Welt dar.

Ebenso  erzählen auch seine Videoarbeiten, die in die Ausstellung integriert sind Geschichten, die als Metapher für unsere hektische und schnelllebige Welt verstanden werden können. Dabei spielt das Flüchtige und Momenthafte eine große Rolle. Der Zufall ist ein willkommener Gehilfe und doch sind seine gesamten Arbeiten ob Installation, Skulptur oder Video akribisch geplant und zusammengestellt.

Jon Moscow belässt es nicht dabei, uns einen beliebigen Moment unserer Wirklichkeit vor Augen zu führen, vielmehr wählt er Schlüsselmomente aus, die wir im Spiegel der Kunst betrachten. Um einen dieser Momente zu intensivieren bedient er sich auch der Performance. Aus diesem Grund wird der Künstler auch die Ausstellung im Museum Goch mit einer Performance eröffnen und uns einen Weg aufzeigen, wie wir uns mit einer radikalen Aktion aus dem uns alltäglichen umgebenden Datendschungel befreien können.
Jon Moscow schafft mit seinen Installationen eine Metapher für unsere äußerst differenzierte und ambivalente Wirklichkeit und die immer kompliziertere Realität, in der wir uns tagtäglich bewegen zu verstehen. Der Tranquilizer, das Beruhigungsmittel, hilft uns zurecht zu finden.
Die Kunst selbst wird zur Droge, wirkt bewusstseinserweiternd und hilft eine komplizierte und vielschichtige Wirklichkeit zu spiegeln.

Erstmalig wurde eine aktuelle außereuropäische künstlerische Position im Museum Goch präsentiert. Mit René Francisco hatten wir einen kubanischen Künstler zu Gast, der seine Stellung zwischen lateinamerikanischer Tradition und europäischen Strömungen bereits auf der Biennale in Venedig 1999 beeindruckend dokumentierte. Die Auseinandersetzung mit der jungen lateinamerikanischen Kunst ist seit einigen Jahren ein bestimmendes Thema in der Kunstszene. René Francisco hat in diesem Umfeld seine ganz eigene spannende Position und gestaltete neben Leinwandarbeiten auch eine für Goch konzipierte Installation. Seine Materialien findet der Künstler in unserer Alltagswelt. Durch seinen Eingriff werden handelsübliche Tuben zu raumfüllenden und freischwebenden Netzwerken, zu griechisch-römischen Figuren im klassischen Kontrapost oder auch zum sterbenden Christus am Kreuz, wie in der Arbeit „Artista Melodramatico“.

Die Ausstellung wurde durch das Auswärtige Amt sowie durch das Land NRW gefördert.

Katalog:
René Fransico, TUBOSUTRA, 56 S., m. zahlr. farb. Abb., Hrsg.: Steffen Fischer, Museum Goch, 2001, 12,50 €
ISBN: 3-926245-53-0

Farbfelder, gitterartig verwoben, schweben an der Wand, ziehen sich über Säulen, Stufen und Winkel, wandeln immer wieder ihre Bewegungsrichtung und scheinen zu „atmen“; transparente Planen wölben sich langsam an der Decke wie eine Haut aus warmem Licht; Wasserspiegelungen, in denen sich Farbschlieren auflösen, weichen die festgefügten Strukturen der Wände auf.
Schirin Kretschmanns magische Raumprojektionen fügen sich behutsam in die Architektur ein und verändern das Erleben des Raumes doch fundamental. Ecken und Vorsprünge  geraten ins Fließen, während flache Wände plötzlich neue, körperliche Dimensionen erhalten.

In ihren Interventionen folgt Kretschmann einem lichtmalerischen, poetischen Ansatz in der Tradition der großen Licht-Raum-Experimente der Moderne, eines László Moholy-Nagy und Otto Piene ebenso wie der raumbezogenen, installativen Malerei der sechziger Jahre bis heute. Synästhetische und multimediale Phänomene, in denen sich Einflüsse des Films, der Musik, aber auch der Psychologie auf abstrakte Malerei miteinander verschränken, bestimmen auf vielfältige Weise das Werk der 1980 in Karlsruhe geborenen Künstlerin.

Zugleich befragt es auf einzigartige Weise unsere geläufige Wahrnehmung von Ort und Zeit – und erneuert damit eindrucksvoll auch die Frage nach dem heutigen Raum der Kunst: Strebt die Kunst danach, sich den Räumen des Museums, die sie umschließen, anzupassen? Reibt sie sich am Raum und versucht ihn aufzubrechen – oder vermag die Kunst allein mit der Magie ihrer „Erscheinung“, den Ort, die Wahrnehmung zu verändern?

Nina Könnemann, 1971 in Bonn geboren, studierte an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste.
In ihren Videoarbeiten setzt sich die Künstlerin mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinander. Sie beobachtet mit ihrer Kamera bei Alltäglichkeiten und Banalitäten und entdeckt oder entlarvt dabei Verhaltensmuster, die wiederum ein Spiegel unseres Miteinanders aufzeigen.

In ihrem Video „Bann“ setzt sich die Künstlerin mit dem veränderten Rauchverhalten in der heutigen Gesellschaft auseinander.
Es entsteht eine Dokumentation der Situationen, in denen geraucht wird und ein Bild jener Räume, in denen es statt findet. Es sind Momentaufnahmen eines Zeitabschnitts, in dem sich durch die Regulierung des Rauchens seit einiger Zeit im öffentlichen Leben vieles verschiebt und verändert.
Charakteristisch für die Künstlerin ist die Handkamera. Sie folgt den Menschen und zeichnet ihre Bewegungen unmittelbar nach. So gelingt es ihr, den Betrachter direkt in das Geschehen mit ein zu beziehen und ihn zu einem Teil des Werkes werden lassen.

Nina Könnemann war in den letzten Jahren u. a. in Ausstellungen im Cubitt, London im Grazer Kunstverein, in der Pinakothek der Moderne, München, im Camden Arts Centre, London und im Portikus in Frankfurt a.M. vertreten. 2010 zeigte sie ihre Videos in einer Einzelveranstaltung im Museum of Modern Art in New York.
Im Sommer diesen Jahres kuratierte sie die Ausstellung “Mass Photography” in der Grundy Art Gallery in Blackpool (GB).

Die 2012 erstmals im Museum Goch gezeigte Arbeit Bann wurde durch dieKunststiftung NRW im Rahmen einer Projektförderung für junge Künstler gefördert.

Der in Tel Aviv lebende Erez Israeli konfrontiert uns in seinen Videos mit bewegenden und hoch emotionalen Bildern.
In der Auseinandersetzung mit der jüdisch-israelischen Geschichte setzt der Künstler auf die persönlichen Befindlichkeiten des Betrachters. Ebenso wie Gili Avissar wird auch Erez Israeli Teil der eigenen Inszenierungen. Er selbst erduldet und erleidet, wenn er sich zum Beispiel den Judenstern eigenhändig auf seine Brust näht. Erez Israeli gelingt in diesem Nachfühlen eine Brücke zwischen der Geschichte und der Gegenwart.

In einer Präsentation zeigten wir 2011 die Arbeit des israelischen Künstlers.

Ein Bild von großer suggestiver Kraft ist das Gemälde Golgotha aus dem Jahr 2007 von Robert Klümpen. Durch die Bögen einer venezianischen Renaissancearchitektur erscheinen vor unseren Augen die drei Kreuze von Golgotha. Allerdings nehmen wir das Geschehen nur schemenhaft wahr, es bleibt unserem Blick auf die geschundenen Körper und die Kreuze durch rote, lose herabhängende Tücher, die zwischen die Arkaden gehängt sind, verdeckt. Seitdem ich zum ersten Mal vor diesem monumentalen Gemälde im Atelier des Künstlers stand, lässt es mich nicht mehr los. Vielleicht sind es die vielen kunsthistorischen und religiösen Bezüge, die vor dem geistige Auge erscheinen, vielleicht ist es die Erinnerung an die wunderbare Architektur Venedigs oder auch die Pracht der Farben, mit der der Künstler uns in seinen Bann zieht. Wie auch immer, die Begegnung mit eben diesem Bild führte unmittelbar zu dieser Ausstellung im Museum hier in Goch. Wie ich meine, die persönlichste gleichsam aber auch die wunderbarste Begründung für eine Ausstellung überhaupt.
Robert Klümpen ist ein außergewöhnlicher Maler. Sein Blick in die Welt ist geprägt von leuchtenden und zugleich irritierenden Farben, vom Blick auf das Unbedeutende und Beiläufige und dann wieder die große Bühne, wie wir sie in Golgotha vor Augen geführt bekommen.
Die Gemälde, die die Ausstellung in Goch 2011 vereint, legen beeindruckend Zeugnis ab für die malerische Kraft dieses Künstlers, bei dem Menschen indes selten in seinen Landschaften und seinen Städtebildern zu finden sind. Wäre da nicht die wahnsinnig aufregende Farbe, man wäre man geneigt von surrealen Traumbildern zu sprechen. Schnell wird deutlich, dass hier die Malerei, ja die Farbe selbst die eigentlichen Themen seiner Kunst sind. Robert Klümpen reiht damit sich in eine lange und große künstlerische Tradition europäischer Malerei ein. Seine Bilder faszinieren in der gleichen Weise in der sie zu irritieren vermögen – indem sie uns von einer Welt erzählen, die wir nur als Schattenriss wahrnehmen, durch die herabhängenden Vorhänge einer grandiosen Inszenierung. Und vielleicht erfüllt sich nach dem letzten Vorhang der Traum des Künstlers nach mehr Licht: Der Vorhang fällt und wir erblicken die Wirklichkeit.

Die Bilder des 1980 geborenen Gili Avissar beschäftigen sich mit dem Künstler und dem Schaffensprozess des Kunstwerkes selbst.
Dieses selbstreflektierende seines Werkes spiegelt sich in der Sichtbarmachung eigens für die Produktionen entstandener Objekte, wie Puppen oder Hausstaffagen. Gerade in der Verwendung der Puppen, mit denen der Künstler eine Weile zusammenlebt, sie mit ins Bett nimmt oder sie am täglichen Essen teilhaben lässt, offenbart sich diese biografische Absicht.
Immer wieder bringt der Künstler sich selbst mit ins Spiel, verschmilzt mit seinen Arbeiten und wird Eins mit seiner Kunst.
Formal arbeitet der Künstler mit trickfilmartigen Elementen aus denen sich die Inszenierungen seiner Themen zusammensetzen.

Im Museum Goch waren seine Arbeiten 2011 zu sehen.

In einer gemeinsamen Ausstellung 2011 stellen das Museum Schloss Moyland und das Museum Goch den Bildhauer Günther Zins in einer umfangreichen Ausstellung vor.
Mit seinen linearen Raumplastiken aus Stahl ist der Bildhauer, der 1951 im hessischen Butzbach geboren wurde, bekannt geworden.
Das Museum Goch zeigt einen umfassenden Überblick über das bildhauerische Werk. Die Ausstellung beginnt mit den frühen Bildobjekten der 80er Jahre. Hier finden sich bereits die zentralen Themen des Künstlers, die Linie und ihre vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten im Raum.
Dieses Thema mündet schließlich in den für das Museum Goch konzipierte Installation 13-Quader-Raum, in dem sich 13 unterschiedliche Raumkörper zueinander in Beziehung setzen.

Ergänzt werden die Stahlrohrarbeiten durch Zeichnungen, Gouachen und fotografische Blätter.
Das Museum Schloss Moyland zeigt in seinem Park neue Skulpturen, die der Künstler wirkungsvoll in die Architektur des Schlossgarten einfügt.

Katalog:
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag, Bielefeld, mit Beiträgen von Marion Bornscheuer, Nina Schulz und Stephan Mann, 144 Seiten und ca. 110 Abbildungen zum Preis von 24,90 Euro für die Museumsausgabe.

Film:
Ralph Goertz, Institut für Kunstdokumentations- und Szenegrafie hat den Künstler beim Arbeiten und während des Aufbaus der Ausstellung begleitet. Preis: 15.- Euro


Unter dem Titel „Öffnung des Raums“ war Günther Zins bereits vom 03.07.1994 bis 07.08.1994 mit einer Einzelausstellung im Museum Goch zu sehen.

Die Ausstellung im Museum Goch – „Scusi, ma lei è felice?“ – ist bereits die zweite Einzelausstellung mit der italienischen Film- und Videokünstlerin Donatella Landi. Die Ausstellung vereint mehrere neue Videoproduktionen mit einer aktuellen Skulptureninstallation.
Seit den 90er Jahren beschäftigt sich Donatella Landi mit dem großen Themenfeld der Erinnerungskultur, basierend auf einem großen Erinnerungspotential aus Geschichte sowie Kunstgeschichte und untersucht sie in Filmen, Fotos sowie multimedia Installationen. In dieser Ausstellung thematisiert sie den Begriff der Heimat als kulturelle Zugehörigkeit. Das Werk von Donatella Landi zeichnet sich durch seine große erzählerische Kraft aus. Geschichte und Gegenwart begegnen sich und rufen Bilder von Sehnsüchten und Träumen wach, ohne sich in einer oberflächlichen Romantik zu verlieren, im Gegenteil.
Der Betrachter wird unmittelbar in eine intensive Begegnung verwickelt. „Der Prozess des Sehens bewirkt eine unmittelbare und intensive Begegnung mit der Arbeit. Aus dieser Begegnung formt sich ein staunenswerter Resonanzraum, die Seele und Geist anspricht”. (Louise Dery, 2013)

Im Zentrum unserer Ausstellung steht die erstmalige Präsentation der Videoarbeit „Wacht am Rhein“ (2013-2021), mit der Donatella Landi während ihres Aufenthalten auf der Raketenstation Hombroich im Rahmen ihres Künstleraufhaltes begonnen hat und das in diesem Jahr für unsere Ausstellung fertig gestellt wurde. Erstmals ist der Film hier in seinem vollen Umfang zu sehen. Der Film ist eine lange nächtliche Beobachtung des Rheins, wo langsam vorbeifahrende Schiffe und Kähne die einzige akustische und visuelle Präsenz sind. Schwarze Schatten, obskure Bilder, tierische Gestalten, aber auch Kriegsschiffe. Der Film baut auf diesen ambivalenten Wahrnehmungen auf: eine meditative Beobachtung der Schönheit des fließenden Wassers, der langsamen, schier endlosen Bewegungen der Schiffe und der Natur. Die gefilterten Geräusche evozieren gleichzeitig ein Gefühl tiefer Beunruhigung und ein subtiles, tiefes Gefühl der Angst.
Mit dem Titel bezieht sich die Künstlerin bewusst auf das berühmte deutsche Lied aus dem 19. Jahrhundert, das als das erste Lied gelten mag, das dazu beigetragen hat, die nationale Idee von Heimat – nicht nur als Heimat, sondern auch als kulturelle Zugehörigkeit – zu „formen“. Der Rhein als nationales Symbol, strategisch wie emotional zutiefst bedeutsam für die Epoche der Romantik bis hin zu den nationalen Strömungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, bietet für Donatella Landi die ideale Folie für diese Reflektion.

Landis Videoproduktionen leben von der Langsamkeit. Der Betrachter wird geradezu hineingezogen in die großartigen Bilder. Hat er sich erst einmal fest gesehen, gibt es kein Entrinnen mehr. Ihre Filme wirken wie aus der Zeit genommen. Kein anderer Fluss ist so mit der europäischen Frage nach Heimat verbunden, Heimat als etwas Trennendes, ebenso aber auch Heimat, als ein neues gemeinsames Lebensgefühl unseres Kontinents.
Diese zentrale Filmproduktion wird in der Ausstellung von weiteren neuen Viedeoarbeiten sowie einer skulpturalen Installation begleitet.
In den Videoserien „7 Conversations“ (2016-2019) und „Europareise“ befragt die Künstlerin animierte Kunstfiguren, die sich auf einer fiktiven Reise von Berlin ausgehend durch Europa bewegen, auf der Suche nach den liebgewonnenen Orten unserer Kultur.
In ihren unverständlichen Dialogen, die der Zuschauer durch die Untertitel verstehen kann, diskutieren sie über Kunst, Kino, Musik, europäische Grenzen, Migration und, beim Besuch archäologischer Stätten, über die Ursprünge der griechischen Kultur. Die Fremdartigkeit ihrer Weltsicht offenbart die Widersprüche und die Komplexität unseres Zustands.

Eine Installation aus zwei Skulpturengruppen, „Die richtige Höhe finden um sich direkt in die Augen zu schauen“ und „Die Totenmasken“ ergänzen die Ausstellung.
Im Begleitprogramm der Ausstellung zeigen wir im historischen Kino GOLI aus den fünfziger Jahren in Goch den Film „Excuse me, are you happy? Scusi, ma lei è felice?“ von Donatella Landi.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Pagina Verlag mit einem Beitrag von Barbara Scheuermann (Kunstmuseum Bonn).

Jörg Ahrnt, 1965 in Darmstadt geboren, bewegt sich seit vielen Jahren zwischen Deutschland und dem Iran.
Durch seine zahlreichen Reisen und längere Aufenthalte im Iran sind seine Arbeiten sowohl geprägt von der persischen Kultur als auch von der Gegenwart des Landes. Im Museum Goch zeigt Ahrnt nun unter dem Titel „Wie strömendes Wasser“ Zeichnungen sowie Fotografien der letzten Jahre. Das Wasser ist dabei das durchgängige Motiv dieser Arbeiten.
Bei seinen Recherchen fand Ahrnt in der Berliner Staatsbibliothek eine persische Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts. Die fein aquarellierte Zeichnung einer Flusslandschaft ist von großer Ausdruckskraft. Formal zeigt das Blatt die große Affinität zum Ornament, ohne die Gegenständlichkeit aufzugeben, wie sie sich in zahlreichen Miniaturen der Zeit wiederfindet. Jörg Ahrnt paraphrasiert dieses Original in seinen Zeichnungen und überträgt die ornamentale Schilderung in seine künstlerische Sprache. Dabei verzichtet er gänzlich auf die gegenständliche Einbindung und überzieht seine Blätter mit einer wellenförmigen Bewegung, die sich endlos, als „all over“ Struktur auch über das Blatt hinaus denken lässt. Diese großformatigen Zeichnungen hängen auf eigens konstruierten Holzgestellen, die den Bildern in der Ausstellung eine autonome Präsenz im Raum verleihen.
Korrospondierend zu diesen zentralen Arbeiten, begleiten weitere Einzelblätter die Präsentation. Auch losgelöst vom bildnerischen Impuls der spätmittelalterlichen Zeichnungen nimmt der Betrachter das fließende Element des Wasser wahr. Der geradezu monotonen formalen Bildstruktur steht die fein ausbalancierte Farbpalette gegenüber, die zu einer vibrierenden Oberfläche führt. Der zarten zeichnerischen Umsetzung stehen die Fotografien zur Seite. Sie führen den Betrachter in die Welt des heutigen Irans. Die Fotografien aus den Jahren 2005 bis 2009 spiegeln den Gegensatz, der archaischen, landwirtschaftlich geprägten Kultur auf der einen und dem „wuchtigen Einbruch der Moderne“ (Martina Weinhart) auf der anderen Seite wider.
Die Ausstellung lebt aus dieser Überlagerung von aktueller Situation und zeichnerischen Umsetzung einer traditionellen Bildidee. Das Wasser als existenziellem Lebenselement wird zum Symbol des Wandels einer Kultur, die der Künstler in einer sensiblen Begegnung sichtbar werden lässt. Der heutige Umgang mit dem Wasser ist dabei vielfach geprägt von einer radikalen Inbesitznahme durch mächtige politische Interessen. Das Austrocknen ganzer Flussläufe und die damit verbundene Veränderung von Landschaften ist ein Phänomen im heutigen Iran. So verschwinden die Urlandschaften, die in der frühen Miniaturmalerei noch dargestellt werden und zeigen eine Kultur im Umbruch.