Die aufgegebene Reichswaldkaserne in Goch wird im Oktober 2009 zum Schauplatz einer spektakulären Kunstaktion der Künstlerin Claudia Wissmann. Die in Hannover lebende Künstlerin hat sich von dem atmosphärischen und beeindruckenden Gelände mit seinen zahlreichen geräumten Gebäuden und Freiflächen inspirieren lassen. Claudia Wissmann zieht mit ihrer Installation einen roten Faden durch die Kaserne. Der Besucher wird konfrontiert mit Bildern und Zitaten aus den bekannten Sergio Leone Westernfilmen. In der so genannten „Dollar Trilogie“ des italienischen Regisseurs nähert sich der Künstler auf ironische Weise dem klassischen und ureigenen amerikanischen Filmsujets. Die zentralen Bilder sind Urbilder der Filmgeschichte und haben sich fest in unser Bildgedächtnis eingeprägt. Claudia Wissmann ruft mit ihrer Installation diese Bilder als Einzelszenen auf und konfrontiert sie mit der inzwischen historischen Nutzung des Geländes als militärisches Gebiet. Hierfür nutzt sie unterschiedliche Medien: Licht , Ton und Musik, Autos und weitere Requisiten werden zu einer beeindruckenden Einheit komponiert. Immer wieder zitiert sie die weithin bekannte Musik zu den Filmen des Komponisten Ennio Morricone. Beispielsweise begegnet der Besucher in der Szene „Der Galgenbaum“ (L´albergo degli impiccati) dem klassischen Galgen aus dem Film „Zwei glorreiche Halunken“. Der Strick baumelt an der alten Straßenlaterne und wird von ihr fahl beleuchtet. Spektakulär ist die Umsetzung der Szene „Il colpo“, der Schuss, aus dem gleichen Film. Ein Kanonenschuss sorgt für ein riesiges Loch in der Hauswand und rettet den Blonden Banditen vor dem Galgen. Hier in der Kaserne durchzieht Wissmann drei beieinander liegende Gebäude mit einem schussartigen Durchbruch und verweist eindringlich in unmittelbarer Nähe zu dem Galgen auf die berühmte Szene des Sergio Leone. In vielen weiteren Szenen setzt die Künstlerin dieses faszinierende Spiel zwischen Film und Realität, zwischen Fiktion und Wirklichkeit fort. Der Besucher betritt eine Kaserne und es beginnt ein Weg durch die Imagination von Film und Realität. Claudia Wissmann gelingt mit dieser Inszenierung eine sowohl sinnlich, emotionale wie auch intellektuell, abstrakte Auseinandersetzung mit diesem historisch aufgeladenen Gelände. Eine hervorragende Voraussetzung für die beginnende Diskussion um die zukünftige Gestaltung dieses städtischen Areals.

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