Zum ersten Mal zeigen die beiden Künstler Albrecht und Suzanne Wild ihre Arbeiten in einer gemeinsamen Ausstellung.

So unterschiedlich die beiden künstlerischen Konzepte auch sind,  so unterschiedlich gehen die beiden auch mit den jeweiligen Räumen im Museum um.

Albrecht Wild, der 1959 in Weinheim an der Bergstraße geboren wurde, arbeitet seit langem an einem künstlerischen Konzept, das im wesentlichen auf dem Spiel mit Formen beruht. In seinen Beermates drückt sich dieser Ansatz wohl am konsequentesten aus. Dabei besteht eine Bierdeckelarbeit aus vier gleichen Bierdeckel, die auf bestimmte Weise zerschnitten und dann neu zusammengefügt werden. Die sich hieraus ergebene neue Form spielt nun ihrerseits inhaltlich mit den aufgedruckten Botschaften – meist Werbeslogans und Trinksprüche – sowie formal mit dem Reiz Positiv- und Negativform miteinander zu kontrastieren.

Albrecht Wild zeigt für diese Ausstellung im Gocher Museum eine wandfüllende Installation dieser Bierdeckelarbeiten, so daß nun auch die einzelnen Arbeiten in einen regen visuellen Austausch untereinander geraten.

Hinzu kommen ganz neue, bisher nicht gezeigte Leinwandbilder, in denen Wild einmal mehr formale und inhaltliche Ansätze miteinander verknüpft. Der Ausgangspunkt ist wiederum einhandelsübliches Ding, in diesem Fall der Stadtplan New Yorks. Dessen formale Struktur überträgt er auf die Leinwand, in dem die horizontalen und vertikalen Strukturen durch die schwerkraftbedingten Verlaufsspuren der Ölfarbe entstehen. Auch in diesen Leinwandbildern entsteht ein reizvoller Dialog der Flächen und Linien, die sich zwar einer Mondrianischen Ästhetik verpflichtet fühlen, sie aber als rein formales Spiel verstehen.

Eine ganz andere malerische Tradition verfolgt die Engländerin  Suzanne Wild. Wenn gleich in unmittelbarer Nähe zu ihrem Mann arbeitend, steht sie in der Tradition der europäischen Landschaftsmalerei. In ihren vergleichsweise kleinen Formaten erreicht Suzanne Wild eine große malerische Dichte und Qualität. Die Ölfarbe, die sie mitunter dick aufträgt, um sie schließlich zugunsten aufregender Effekte wieder abzukratzen, erfährt sie physisch, was sich dem Betrachter unmittelbar mitteilt. Die Materialität der Farbe wird inszeniert und unmittelbar erfahrbar. Pastose Partien stehen neben brutal abgekratzten, äußerst dünnschichtigen Flächen. Der physischen Erfahrbarkeit der Farbe steht der mitunter zerstörerische Umgang mit dem Material gegenüber.

Mit dem Titel der Ausstellung verweisen die beiden Künstler auf ein Phänomen der Künstlerehe, das in jüngster Zeit durchaus mit neuen Augen beobachtet wird. Dabei steht das Gemeinsame einer notwendigen künstlerischen Abgrenzung zwar entgegen, in jenem Dialog entwickelen sich aber gerade jene neuen Räume, die auch Albrecht und Suzanne Wild zu pflegen und zu nutzen verstehen. Auf dieser Grundlage entstand die Idee dieser Ausstellung. Keep it in the family will dabei keineswegs im Sinne einer Abgrenzung gegen andere verstanden werden. Dennoch aber erfährt man sich innerhalb einer Beziehung aber auch als privilegierte in einem Gedankenaustausch, was wiederum ein großes Potential in sich birgt.

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