Mind to Space

Micha Laury wird 1946 in einem israelischen Kibbuz geboren. Mit 21 Jahren beginnt seine Suche nach kreativ-künstlerischen Ausdrucksformen als Äquivalenz persönlicher Erfahrungswelten. Diese sind wesentlich durch seinen Militäreinsatz geprägt. Er beginnt mit eigenen künstlerischen Arbeiten und einer autodidaktischen Ausbildung. Kunst begreift Laury seit dem als eine Möglichkeit das eigene Leben zu reflektieren und zu begreifen.
Laury lebt in Tel Aviv und muss 1973 erneut Militärdienst leisten. Nach einer Verwundung übersiedelt er 1974 nach Paris, wo er bis heute lebt und arbeitet.1980 erhält er den Sanberg-Preis des Israel Museums Tel Aviv.
Nach Ausstellungen in Israel und Frankreich ist diese in Bochum und Goch konzipierte Ausstellung die erste umfangreiche Museumspräsentation in Deutschland.
Micha Laury stellt sich für uns als eine noch zu entdeckende Position innerhalb der Gegenwartskunst dar, die es zu entdecken gilt.
Die Zeichnungen Micha Laury beginnen in den späten 60er Jahren. Die eigene Militärzeit sowie ein insgesamt stark militärisch geprägtes Klima prägen Laurys erste künstlerische Versuche.
In seinen Zeichnungen ist der Künstler auf der Suche nach mächtigen Bildzeichen angesichts einer stark prägenden politischen und gesellschaftlichen Situation. Laury spielt hier sowohl die gegenständliche wie auch ungegenständliche Klaviatur.
In vielen der Blätter finden wir Gesten der Hilflosigkeit und Ambivalenz. Hinter der Zeichenhaftigkeit verbirgt sich nicht selten eine politische, spirituelle oder erotische Botschaft.
Die Zeichnungen und Aquarelle atmen einen sehr zarten und sensiblen Charakter und zeichnen sich durch ihre starke Sinnlichkeit und Emotionalität aus. Der menschliche Körper findet sich immer wieder im Zentrum dieser Blätter. Er ist der Ausgangspunkt für Gesten und Zeichen und lässt eine zweite Erfahrungs- und Interpretationsebene der Arbeiten erkennen. So sind gerade diese gegenständlichen Blätter ein wesentlicher Hinweis für die zeitgleichen abstrakten Aquarelle und Zeichnungen.
Laurys Sinnlichkeit bei gleichzeitiger kompositorischer Sicherheit und Qualität rückt ihn in die Nähe der Zeichnungen und Aquarellen von Joseph Beuys.
Wie er sucht auch Laury nach sichtbaren Zeichen für seine sinnliche und emotionale Gegenwärtigkeit. Sein erstes Studio auf dem Gelände des Kibbuz verstand er denn auch als eine Art Speicher für seine Erfahrungswirklichkeit. Seine Kunst, seine Zeichnungen und Aquarelle bilden gleichsam einen Schutzraum, in dem der Künstler in Einsamkeit überlebte. In vielen Aquarellen wird uns dies gegenwärtig.
Ein Thema das seit 1969 das Schaffen des israelisch-französischen Künstlers berührt ist das menschlichen Gehirn, jenes Zentrum für alles menschliche Tun und Denken. In einem für Tel Aviv geplanten Brain Laboratory geht Laury gemeinsam mit Hirnforschern der Frage nach der Komplexibilität des Gehirns nach und sucht adäquate künstlerische Äquivalenzen für deren Forschungen.
So steht Micha Laurys Arbeit immer als existentielle Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und den Lebensbedingungen, seiner eigenen wie der seiner Umwelt. Kunst als Möglichkeit sich selbst zu reflektieren, sich und seine Lebenssituation zu spiegeln, zu verstehen und zu bewältigen, dies deutet auf ein Grundverständnis hin, das Laurys Generation zutiefst eigen ist.

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