In Zeiten der sozialen Medien ist die Inszenierung des weiblichen Selbst zu einer Praxis geworden, die mit den emanzipatorischen Anliegen früherer Generationen nur noch wenig zu tun hat. Was hat sich seither getan?

Eine Ausstellung über die Selbstinszenierung von Frauen in der Zeitgenössischen Kunst.

Auf Instagram wird der Hashtag „selfstaging“ großzügig interpretiert und nicht zuletzt von Frauen benutzt, die schon ihr bloßes Lächeln für den Bruchteil einer Sekunde als Inszenierung begreifen. Mit wie viel mehr Ernsthaftigkeit der Begriff in der Kunst behaftet ist und wie viel mehr Einsatz dort erbracht wird, belegt seit mehr als einem halben Jahrhundert, was vereinfacht „feministische Fotografie“ genannt wird. Als Modell, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion, darüber hinaus zuständig für Kostüm, Requisiten und Licht, reagierten Künstlerinnen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit beklemmenden visuellen Metaphern auf ihre von außen festgelegte Rolle und ihre Suche nach Wegen der Selbstbefreiung, die sie mitunter bis an die Grenze der Selbstzerstörung führten. In ihren Inszenierungen verschnürten, verpackten oder verdrehten sie ihre Körper als Antwort auf das Diktat des Schönheitsideals in einer von Männern dominierten Welt. Dass diese Künstlerinnen von Brasilien bis in die DDR ähnliche Bildlösungen für ihre Situation entwickelten, spricht nicht für Einfallslosigkeit, sondern wird zum Beleg einer tief empfundenen Verbitterung, für die sie brutalstmögliche Sinnbilder schaffen wollten – ob sie sich ihre Gesichter mit Bindfäden und Schnüren straff umwickelten oder ihre Körper in Netze, Käfige und bizarre Kostüme quetschten.

Die Ausstellung wird kuratiert von Freddy Langer

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