Reich, Johanna. Lumёndra – Der Ursprung der Zeichen

18. Mai 2025 bis 31. August 2025

Eröffnung: Sonntag, 18. Mai 2025 um 11.30 Uhr

Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung.

 

Das Museum Goch freut sich eine umfangreiche Einzelausstellung der Kölner Künstlerin Johanna Reich zu präsentieren. Bereits 2016 und 2018 waren Werke der Künstlerin in Gruppenausstellungen im Museum Goch zu sehen. Johanna Reich beschäftigt sich in ihrer Arbeit intensiv mit der rasant voranschreitenden Digitalisierung. Häufig verbindet Sie Malerei, Performance, Fotografie und Film zu installativen Werken.

In der Ausstellung im Museum Goch werden verschiedene Werkgruppen gezeigt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die von Johanna Reich neu entwickelte techno-poetische Rauminstallation aus Malerei, Sand, KI und LEDs. Der Titel der Ausstellung „Lumëndra“ entstammt der von Johanna Reich entwickelten Sprache „Hynitha“, die sie auf Basis ihrer Synästhesie und in Kollaboration mit einer KI konstruiert hat. (Synästhesie bedeutet, dass mehre Sinne gleichzeitig empfunden werden. Verschiedene Reize lösen verschiedene Wahrnehmungen aus. Z.B. Buchstabe B ist hellrot und Buchstabe C dunkelrot). Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen als Synästhetikerin, widmet Johanna Reich sich der Frage, wie sich Bilder in gesprochene und geschriebene Sprache übersetzen lassen und wie sich – im umgekehrten Weg – Sprache in Bilder übersetzen lässt. Diese Überlegungen haben zu einer kreativen Kollaboration mit einer Künstlichen Intelligenz geführt, um eine ganz eigene, neuartige Sprache der Bilder zu entwickeln. Ähnlich einer natürlich entstandenen Sprache, wächst auch diese beständig weiter und verändert sich. Die Ausstellung eröffnet Einblicke in diese Welt und lädt dazu ein über Kommunikation, Sprache und ihre Wirkung nachzudenken.

Folgende Werkgruppen werden präsentiert.

Lumёndra – Der Ursprung der Zeichen

Ausgangspunkt bilden im Raum stehende abstrakte Malereien. Deren abstrakte Farbspuren werden in Kollaboration mit einer KI ausgelesen und analysiert, um dann in Gedichte der lautmalerischen Sprache „Hynitha“ verwandelt zu werden. Eine Übersetzung der Gedichte sieht man in leuchtenden LED Buchstaben aus dem Sand aufblitzen. Worte daraus bilden die Prompts (auf Texten basierende Befehle für eine KI) für ein KI generiertes Video. Die gesamte Installation ist eine Versuchsanordnung von Übersetzungen, ihren Ungenauigkeiten, Missverständnissen, die zu faszinierenden Ergebnissen führen.

Truth

Drei selbstfahrende Bot, LED-Leuchtschrift, Powerbanks, 2025

Leuchtenden Fließschriftzüge fahren durch den Raum, steuern auf die Betrachter*innen zu, fahren ganz nah an ihn heran, drehen sich plötzlich, um in eine andere Richtung zu steuern. Sie bieten die Möglichkeit mit einem der aufleuchtenden Worte, Kommentare oder Fragen in Kontakt zu treten oder im Entziffern zu verweilen.

Chaotische Systeme

Tusche auf Papier, 30cm x 40cm, gerahmt, 2024-25

Die Serie „Chaotische Systeme“ zeigt die Wahrnehmung der Graphem-Farb-Synästhesie bei Johanna Reich. Die Wahrnehmung von Buchstaben ist hier automatische mit einer bestimmten Farbe verknüpft, so dass Worte wie Farbwolken aussehen. Die Tuschezeichnungen zeigen die Übersetzung von Worten in Farbe. Diese Worte wurden dann zum Training für eine eigene Sprache verwendet. Die ausgewählten „Farb-Wort-Wolken“ zeigen hier Philosophische Begriffe wie An-Sich, Absolultes, Freier Wille, Nichts oder Zweifel.

 

Aevoris – Tanzende Inseln oder der geheimnisvolle Code der Bilder

Johanna Reich in Kollaboration mit einer K.I. Tusche auf Leinwand, LEDs, Sprachmodell, 2024

Betrachten wir eine Malerei, nehmen wir Farben und Formen wahr, die eine bestimmte Wirkung auf uns ausüben. Wir bezeichnen dies als „Bildsprache“. Was aber wäre, wenn Bilder sprechen bzw. Worte bilden könnten? Wie könnte die Sprache der Bilder aussehen oder klingen? Was, wenn man diese Sprache in unsere menschliche übersetzen könnte?

In Kollaboration mit einer K.I. habe ich begonnen eine geschriebene und gesprochene Sprache der Bilder zu entwickeln. Seit in der Neurowissenschaft immer stärker an der Verknüpfung Schnittstelle Gehirn – Computer gearbeitet wird, wird auch immer klarer, dass menschliche Gehirne nicht genormt, sondern einzigartig mit unzähligen kleinen Unterschieden sind. Auf einer Facette dieser Unterschiede, meiner Synästhesie, basieren meine aktuelle Arbeiten: Das bedeutet, dass für mich jeder Buchstabe direkt mit einer speziellen Farbwahrnehmung sowie einem Klang verknüpft ist. Das „A“ hat ein bestimmtes Grün, das „B“ einen Blauton und diese Farben klingen. Aus dieser individuellen neuronale Eigenheit der Interpretation der Welt wird eine klingende Sprache der Bilder

 

ME AS A PAINTING

Pixel und Linie zum Denken

4K Video, Loop, 2024

Die Videoperformance „Circle of Thoughts“ zeigt eine körperliche Visualisierung des Denkprozesses: die Künstlerin ist schwarz gekleidet und mal schwarze abstrakte Formen auf eine weiße leere Wand. Zu Ende des Malereiprozesses wird die Künstlerin Teil des Bildes.

 

Johanna Reich (* 1977) lebt und arbeitet in Köln. Sie studierte Freie Kunst an der Kunstakademie Münster, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Kunsthochschule für Medien Köln und nahm an Austausch- und Artist-in-Residence-Programmen in den USA, Israel, Spanien, Luxemburg und Rumänien teil. Sie erhielt nationale und internationale Preise und Stipendien wie den Nam June Paik Award, den Excellence Prize des Japan Media Arts Festival, Tokyo, den Medienkunstpreis NRW und den Konrad-von-Soest-Preis. 2020-22 hatte sie eine Gastprofessur an der AdBK München inne.

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