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Farbfelder, gitterartig verwoben, schweben an der Wand, ziehen sich über Säulen, Stufen und Winkel, wandeln immer wieder ihre Bewegungsrichtung und scheinen zu „atmen“; transparente Planen wölben sich langsam an der Decke wie eine Haut aus warmem Licht; Wasserspiegelungen, in denen sich Farbschlieren auflösen, weichen die festgefügten Strukturen der Wände auf.
Schirin Kretschmanns magische Raumprojektionen fügen sich behutsam in die Architektur ein und verändern das Erleben des Raumes doch fundamental. Ecken und Vorsprünge  geraten ins Fließen, während flache Wände plötzlich neue, körperliche Dimensionen erhalten.

In ihren Interventionen folgt Kretschmann einem lichtmalerischen, poetischen Ansatz in der Tradition der großen Licht-Raum-Experimente der Moderne, eines László Moholy-Nagy und Otto Piene ebenso wie der raumbezogenen, installativen Malerei der sechziger Jahre bis heute. Synästhetische und multimediale Phänomene, in denen sich Einflüsse des Films, der Musik, aber auch der Psychologie auf abstrakte Malerei miteinander verschränken, bestimmen auf vielfältige Weise das Werk der 1980 in Karlsruhe geborenen Künstlerin.

Zugleich befragt es auf einzigartige Weise unsere geläufige Wahrnehmung von Ort und Zeit – und erneuert damit eindrucksvoll auch die Frage nach dem heutigen Raum der Kunst: Strebt die Kunst danach, sich den Räumen des Museums, die sie umschließen, anzupassen? Reibt sie sich am Raum und versucht ihn aufzubrechen – oder vermag die Kunst allein mit der Magie ihrer „Erscheinung“, den Ort, die Wahrnehmung zu verändern?