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Die Ausstellung im Museum Goch – „Scusi, ma lei è felice?“ – ist bereits die zweite Einzelausstellung mit der italienischen Film- und Videokünstlerin Donatella Landi. Die Ausstellung vereint mehrere neue Videoproduktionen mit einer aktuellen Skulptureninstallation.
Seit den 90er Jahren beschäftigt sich Donatella Landi mit dem großen Themenfeld der Erinnerungskultur, basierend auf einem großen Erinnerungspotential aus Geschichte sowie Kunstgeschichte und untersucht sie in Filmen, Fotos sowie multimedia Installationen. In dieser Ausstellung thematisiert sie den Begriff der Heimat als kulturelle Zugehörigkeit. Das Werk von Donatella Landi zeichnet sich durch seine große erzählerische Kraft aus. Geschichte und Gegenwart begegnen sich und rufen Bilder von Sehnsüchten und Träumen wach, ohne sich in einer oberflächlichen Romantik zu verlieren, im Gegenteil.
Der Betrachter wird unmittelbar in eine intensive Begegnung verwickelt. „Der Prozess des Sehens bewirkt eine unmittelbare und intensive Begegnung mit der Arbeit. Aus dieser Begegnung formt sich ein staunenswerter Resonanzraum, die Seele und Geist anspricht”. (Louise Dery, 2013)

Im Zentrum unserer Ausstellung steht die erstmalige Präsentation der Videoarbeit „Wacht am Rhein“ (2013-2021), mit der Donatella Landi während ihres Aufenthalten auf der Raketenstation Hombroich im Rahmen ihres Künstleraufhaltes begonnen hat und das in diesem Jahr für unsere Ausstellung fertig gestellt wurde. Erstmals ist der Film hier in seinem vollen Umfang zu sehen. Der Film ist eine lange nächtliche Beobachtung des Rheins, wo langsam vorbeifahrende Schiffe und Kähne die einzige akustische und visuelle Präsenz sind. Schwarze Schatten, obskure Bilder, tierische Gestalten, aber auch Kriegsschiffe. Der Film baut auf diesen ambivalenten Wahrnehmungen auf: eine meditative Beobachtung der Schönheit des fließenden Wassers, der langsamen, schier endlosen Bewegungen der Schiffe und der Natur. Die gefilterten Geräusche evozieren gleichzeitig ein Gefühl tiefer Beunruhigung und ein subtiles, tiefes Gefühl der Angst.
Mit dem Titel bezieht sich die Künstlerin bewusst auf das berühmte deutsche Lied aus dem 19. Jahrhundert, das als das erste Lied gelten mag, das dazu beigetragen hat, die nationale Idee von Heimat – nicht nur als Heimat, sondern auch als kulturelle Zugehörigkeit – zu „formen“. Der Rhein als nationales Symbol, strategisch wie emotional zutiefst bedeutsam für die Epoche der Romantik bis hin zu den nationalen Strömungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, bietet für Donatella Landi die ideale Folie für diese Reflektion.

Landis Videoproduktionen leben von der Langsamkeit. Der Betrachter wird geradezu hineingezogen in die großartigen Bilder. Hat er sich erst einmal fest gesehen, gibt es kein Entrinnen mehr. Ihre Filme wirken wie aus der Zeit genommen. Kein anderer Fluss ist so mit der europäischen Frage nach Heimat verbunden, Heimat als etwas Trennendes, ebenso aber auch Heimat, als ein neues gemeinsames Lebensgefühl unseres Kontinents.
Diese zentrale Filmproduktion wird in der Ausstellung von weiteren neuen Viedeoarbeiten sowie einer skulpturalen Installation begleitet.
In den Videoserien „7 Conversations“ (2016-2019) und „Europareise“ befragt die Künstlerin animierte Kunstfiguren, die sich auf einer fiktiven Reise von Berlin ausgehend durch Europa bewegen, auf der Suche nach den liebgewonnenen Orten unserer Kultur.
In ihren unverständlichen Dialogen, die der Zuschauer durch die Untertitel verstehen kann, diskutieren sie über Kunst, Kino, Musik, europäische Grenzen, Migration und, beim Besuch archäologischer Stätten, über die Ursprünge der griechischen Kultur. Die Fremdartigkeit ihrer Weltsicht offenbart die Widersprüche und die Komplexität unseres Zustands.

Eine Installation aus zwei Skulpturengruppen, „Die richtige Höhe finden um sich direkt in die Augen zu schauen“ und „Die Totenmasken“ ergänzen die Ausstellung.
Im Begleitprogramm der Ausstellung zeigen wir im historischen Kino GOLI aus den fünfziger Jahren in Goch den Film „Excuse me, are you happy? Scusi, ma lei è felice?“ von Donatella Landi.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Pagina Verlag mit einem Beitrag von Barbara Scheuermann (Kunstmuseum Bonn).

Le Déjeuner Sur L’Herbe – Zoo 1993/2009
Die italienische Film- und Videokünstlerin Donatella Landi (* 1958, Rom) ist zum ersten Mal mit einer umfassenden Einzelausstellung in Deutschland zu sehen. Thema der Ausstellung in unserem Haus Goch ist das Thema Natur. Für die Videoinstallation greift Donatella Landi auf das frühere Werk „Zoo“ zurück. Dieses Vorgehen ist typisch für die Arbeitsweise der Künstlerin, die sich gerne auf bereits bestehende Werkgruppen bezieht, sie aber mit aktuellen Themenstellungen konfrontiert und damit neu bewertet. Für die neue Arbeit entstand am Niederrhein eine Videoarbeit mit dem Titel „Le déjeuner sur l’ herbe“. Landi greift auf das berühmte Gemälde aus dem Jahr 1863 Eduard Manets zurück. Ihr Blick in die Landschaftsidylle in der Mensch und Natur im Einklang miteinander leben, konfrontiert sie nun mit den Filmsequenzen aus Zoologischen Gärten in Italien. Der Betrachter wird direkt mit dieser Situation konfrontiert. Ein schmaler Raum zwischen den Projektionen schenkt ihm keine Ausweichmöglichkeit und lässt ihn unmittelbar Teil der Situation werden. Mit ihren subtilen Bildern gelingt es der Künstlerin zu erzählen und den Betrachter in das spannungsreiche Gegenüber von Mensch und Tier einzubeziehen. Ohne pädagogische Hintergedanken schafft Donatella Landi eine große emotionale Dichte, die den Besucher gefangen nehmen wird. Dieses Thema wird in weiteren Arbeiten dieser Ausstellung weiter ausgeführt. Das Video „Giardino Perduto“ entstand in den Botanischen Gärten von Rom, Neapel und Palermo. Mit der Handkamera erforscht die Künstlerin die üppig wuchernde Natur und bahnt sich einen Weg durch die großen Gewächshäuser. Der Betrachter wird diese Bilder nur schwer wahrnehmen können. Durch einen Bretterzaun von der Leinwand getrennt, hat er nur die Möglichkeit durch wenige Schlitze den Film zu sehen. Das Bild vom Paradiesgarten, des umschlossenen „hortus conclusius“ wird hier von der Künstlerin zitiert. Ein ganz anderes Erlebnis von Natur ist die Toninstallation „Spaziergang zum Fluß“, die in unsere ständigen Sammlung integriert wird. Hier begleitet der Zuhörer die Künstlerin auf dem Weg durch die Natur. Er lauscht den Blättern unter ihren Füßen, dem Atem und den vielfältigen Klängen der Umgebung. Mit ihrer Installation im Museum Goch konfrontiert uns die Künstlerin auf unterschiedlichen sinnlichen Erfahrungsebenen mit der Bewusstwerdung über sich selbst und die uns umgebende Welt.

Die Ausstellung war Teil des Gemeinschaftsprojektes „Different PLACES – Different STORIES“ des Odapark Venray, des Kulturraumes Niederrhein e.V. sowie den mitwirkenden Städten und Gemeinden und weiteren Veranstaltern zwischen Rhein und Maas.
Gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes NRW.