Die Wandzeichnung nimmt unmittelbaren Bezug zu den verbliebenen Kunstwerken. Man kann sagen, beides nimmt miteinander Kontakt auf, korrespondiert für kurze Zeit miteinander und beflügelt sich gegenseitig.

Der Begriff der conversazione, den Beate Terfloth als Titel ihrer Zeichnung wählte, nimmt Bezug auf ein kunsthistorisches Genre, der sacra conversazione. Entstanden in der frühen italienischen Malerei bezeichnet die sacra conversazione ein Miteinander von Maria mit unterschiedlichen Heiligen. Gezeigt wird in den Bildern aber kein wirkliches Gespräch, keine Disputatio. Es handelt sich vielmehr um ein stilles Gespräch, eine spirituelle Vereinigung, bei der das Ziel ein mystische Vereinigung ist, die keines klärendes Gesprächs bedarf.

Eine solche stille conversazione finden wir auch in der Raumzeichnung von Beate Terfloth. In dem stillen Gespräch zwischen Zeichnung und Sammlungsobjekt geht es auf subtilste Weise um eine Begegnung. Die zarten Linien kommen den Kunstwerken mal näher, mal halten sie gebührenden Abstand. Mitunter nehmen sie eine Linie bewußt auf, wie etwa bei Damaris Kerhoffs genähter Arbeit. 

Die stark expandierende Stahlskulptur des Niederländers Auke de Vries erhält genügend Wandraum, um nicht im Licht- und Schattenspiel der filigranen Stahlstäbe mit der horizontalen Zeichnung ins Gehege zu kommen. Gleichsam definiert die Zeichnung einen klaren Wandraum, der nun allein der Skulptur gehört.

Beate Terfloth definiert mit ihrer klaren Entscheidung für den Verlauf der beiden Linien eine eindeutige Position auf der Wandfläche sowie im Raum. Es ist ein Dialog, ein Gespräch, ohne dass es in Worte gefasst werden müsste. Es ist ein Spiel der Proportionen auf der Wand, ein Mit- und Gegeneinander der beiden konkurrierenden Linien. Sie beschreiben etwas, ohne es auszusprechen, sie sind präsent und verlieren sich gleichzeitig im Raum.

Zu diesem Gespräch untereinander spielt Beate Terfloth mit dem Gespräch, das die Linien im Raum führen. In diesem Raum sind die Kunstwerke in ihrer Unterschiedlichkeit störend und gleichsam integrierend. Sie werden akzentuiert und bekommen eine neue Bedeutung.

Beate Terfloth hat hier einen unvergleichlichen Erfahrungsraum initiiert, der weder visualisiert noch definiert werden kann, ein Ort der Begegnung mit sich selbst.