Kolod, Michael (2009)

Vogelnetze, Schaumstoffrollen, Plastikfolien – auf den ersten Blick sind die Materialien in der Ausstellung „Blickinstrumente“ von Michael Kolod alte Bekannte aus dem Baumarkt, einzusetzen auf Baustellen, im Garten oder in der Küche. Michael Kolod, geboren 1951 in Wuppertal und Absolvent der Frankfurter Städelschule, nimmt die Materialien, die ihm der Baumarkt bietet, als Ausgangspunkt für Erkundungsreisen in die Fähigkeit des menschlichen Auges, Farben wahrzunehmen – und zwar dort, wo sie „eigentlich“ nicht ist: Farbe schwingt in der Luft, an der Wand, in den Zwischenräumen, ohne direkt gemalt zu sein. Was bei einem Saiteninstrument das Zupfen der Saiten ist, das den Klang erzeugt, ist bei Kolods Arbeiten das farbliche „Anspielen“ des Materials, das den „Farbklang“ erzeugt und die Luft und den Raum farblich auflädt und in Schwingung versetzt. Dass die Materialien, mit denen der Künstler arbeitet, alltäglich sind, ist ein Erkennungszeichen des Frankfurter Künstlers. Ihm geht es in seinen Arbeiten um die verborgenen Qualitäten, die sich erst einem beruhigten, langsamen Sehen und Betrachten erschließen. Was sie zart und kostbar wirken lässt, liegt also nicht in dem im wahrsten Sinne banalen, alltäglichen Ursprungsmaterial, sondern in der Behandlung, die der Künstler ihnen angedeihen lässt. Er würdigt sie, anders als wir es sonst tun, eines zweiten Blickes und entfaltet, oftmals im Wortsinn, ihre verschwiegenen Eigenschaften. Er nimmt sich die Zeit, dem „Wesen“ dieser Gebrauchsmaterialien auf die Spur zu kommen. „Jedes Material – sei es Folie, Schaumstoff oder Papier – hat sein ureigenes Artikulationsrepertoire. Ich kann mit einem Netz etwas machen, was mit keinem anderen Material möglich ist – nämlich eine bestimmte Art von Transparenz erzielen – durch die Kombination von Substanz mit ihren Zwischenräumen“, so Michael Kolod. Neben Schaumstoffspiralen und Folienarbeiten sind in der Gocher Ausstellung im Dachgeschoss des Museums auch eine Vielzahl von Aquarellen zu sehen. Im „schwarzen Kabinett“, dem Graphikkabinett innerhalb der ständigen Sammlung, werden die Papierarbeiten nach und nach „aufgeblättert“, und wie in einem Entwicklungslabor können die Betrachter dem Künstler bei der Arbeit zuschauen und dabei die Entstehung von Formen nachvollziehen.

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