Klümpen, Robert (2011)

Ein Bild von großer suggestiver Kraft ist das Gemälde Golgotha aus dem Jahr 2007 von Robert Klümpen. Durch die Bögen einer venezianischen Renaissancearchitektur erscheinen vor unseren Augen die drei Kreuze von Golgotha. Allerdings nehmen wir das Geschehen nur schemenhaft wahr, es bleibt unserem Blick auf die geschundenen Körper und die Kreuze durch rote, lose herabhängende Tücher, die zwischen die Arkaden gehängt sind, verdeckt. Seitdem ich zum ersten Mal vor diesem monumentalen Gemälde im Atelier des Künstlers stand, lässt es mich nicht mehr los. Vielleicht sind es die vielen kunsthistorischen und religiösen Bezüge, die vor dem geistige Auge erscheinen, vielleicht ist es die Erinnerung an die wunderbare Architektur Venedigs oder auch die Pracht der Farben, mit der der Künstler uns in seinen Bann zieht. Wie auch immer, die Begegnung mit eben diesem Bild führte unmittelbar zu dieser Ausstellung im Museum hier in Goch. Wie ich meine, die persönlichste gleichsam aber auch die wunderbarste Begründung für eine Ausstellung überhaupt.
Robert Klümpen ist ein außergewöhnlicher Maler. Sein Blick in die Welt ist geprägt von leuchtenden und zugleich irritierenden Farben, vom Blick auf das Unbedeutende und Beiläufige und dann wieder die große Bühne, wie wir sie in Golgotha vor Augen geführt bekommen.
Die Gemälde, die die Ausstellung in Goch 2011 vereint, legen beeindruckend Zeugnis ab für die malerische Kraft dieses Künstlers, bei dem Menschen indes selten in seinen Landschaften und seinen Städtebildern zu finden sind. Wäre da nicht die wahnsinnig aufregende Farbe, man wäre man geneigt von surrealen Traumbildern zu sprechen. Schnell wird deutlich, dass hier die Malerei, ja die Farbe selbst die eigentlichen Themen seiner Kunst sind. Robert Klümpen reiht damit sich in eine lange und große künstlerische Tradition europäischer Malerei ein. Seine Bilder faszinieren in der gleichen Weise in der sie zu irritieren vermögen – indem sie uns von einer Welt erzählen, die wir nur als Schattenriss wahrnehmen, durch die herabhängenden Vorhänge einer grandiosen Inszenierung. Und vielleicht erfüllt sich nach dem letzten Vorhang der Traum des Künstlers nach mehr Licht: Der Vorhang fällt und wir erblicken die Wirklichkeit.

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