Kaiser, Andreas (2001)

Andreas Kaiser – Ortsbezug

Ein Wohncontainer, 6 Meter lang, 2,50 Meter breit und hoch, schiebt sich in die linke hintere Ecke  des Gocher Ausstellungsraumes. Es ist dunkel, die Fenster vermauert, nur aus dem Container dringt ein schwaches Licht. Will man in den Wohnraum hinein, muss man eine niedrige Holzschwelle überschreiten. Im Innern prägt das schwache Licht einer Glühbirne sowie ein Radiator den spärlich eingerichteten Raum, der auf 37 Grad aufgeheizt ist. Drinnen stehen ein eisernes Hochbett, eine Spüle mit Unterschrank, Tisch und Stühle und ein Spind, abschließbar, zur Aufbewahrung der letzten persönlichen Dinge, die einem verblieben sind. Ein billiger PVC Belag dient als Fußboden und der Blick zur Decke zeigt unmissverständlich das Wellblech, aus dem der Container gefertigt ist.

So beschreibt sich die Installation, mit der sich Andreas Kaiser an die Besucher der Ausstellung „Ortsbeziehung“ im Museum Goch wendet. Er geht dabei auf eine Wohnsituation ein, mit der vielfach in deutschen Groß- und Kleinstädten der Zugzug von Asylbewerber und Umsiedler geregelt wird. Konfrontiert wird diese Situation mit dem Gocher „Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Weltkriege, des NS-Regimes, der Vertreibung und an die Bombennacht vom 7. Februar 1945“. Dieses Denkmal, das durch die Skulptur der „Drei Jünglinge im Feuerofen“ verbildlicht wird, bezieht sich auf einen alttestamentarischen Text des Propheten Daniel, in dem sich drei Juden weigern, das Denkmal des Herrschers Nebukadnezar anzubeten. Zur Strafe wurden sie in den Feuerofen getrieben. Als sie jedoch nicht verbrannten, lies sie der König ziehen.
Andreas Kaiser baut mit seiner Installation ein Gedankenraum auf, in dem sich unterschiedliche Deutungsansätze und Fragen an das Gedenken und Erinnern mit der aktuellen Situation von Flüchtlingen und Asylsuchenden verbinden.
Neben dieser ortsbezogenen Installation zeigt die Ausstellung die Werkgruppe der Lichtzeichnungen. Verschlossene hölzerne Kästen locken den Betrachter, seinen Blick durch ein kleines Okular zu werfen, das ihm den Einblick in den dunklen  Raum gewährt. Im Innern blickt man schließlich auf ein Geflecht von schwach leuchtenden Linien, das sich u.a. als Geflecht von Straßen identifiziert.
In Zusammenarbeit mit dem Schloß Agathenburg in Stade erscheint ein umfangreicher Katalog mit Abbildungen der Installationen in Goch und Agathenburg sowie zahlreichen Textbeiträgen.

Die Ausstellung wurde gefördert von:
Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW
Land Niedersachsen
Verband der westfälischen Wirtschaft

www.kaiserkunst.de

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