Hüppi, Alfonso (2007/2015)

Der Schweizer Künstler (* 1935) und ehemalige Professor der Düsseldorfer Kunstakademie zeigte unter dem Titel „Druckwerke“ sein umfangreiches druckgraphisches Werk im Museum Goch. Mit über 70 Arbeiten bot die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das graphische Werk des Künstlers, das seit Beginn seines Schaffens eine autonome künstlerische Ausdrucksform darstellt. Während der letzten 50 Jahre nutzte Hüppi die unterschiedlichsten druckgraphischen Techniken und Möglichkeiten und passte sie auf eigene Vorstellungen unmittelbar an. Die neutrale Bezeichnung „Druckwerke“ stammt von ihm selbst und mag zeigen, dass nicht das Verfahren selbst, d.h. also die technischen Fähigkeiten im Vordergrund stehen, vielmehr das endgültige Werk in seiner Selbstbezogenheit. In der Ausstellung finden sich Beispiele aller Serien und Techniken. So sind die frühen Holzschnitte und Monotypien (seit 1950) ebenso vertreten, wie die Kupferstiche (seit 1958), die eine weitere „technische Verfertigung und Feinheit der Linie“ aufweisen. Seit 1965 experimentiert Hüppi mit der Serigraphie, in der schließlich die Fläche zum wichtigen gestalterischen Element wird. Auch hiervon finden sich exemplarische Arbeiten in der Ausstellung.
In Vitrinen zeigen wir zahlreiche Papierfaltungen, mit denen Hüppi immer wieder experimentiert. Ein bekanntes Beispiel aus seinem Oeuvre ist das offizielle Plakat zu den Olympischen Spielen 1972 in München, dessen Original wir zeigen. Schließlich zeigen wir in einem eigenen Raum die wichtige Werkgruppe der Rouleaus“. Die handelsüblichen Fensterrouleaus sind bevölkert von merkwürdigen Fabelwesen, die sich schwebend umschlinge , tauchen oder schwimmen und als liebenswerte Zwitterwesen ihr eigenes Leben führen. Sie nehmen schließlich Besitz von großformatigen Tüchern, die als Offsetlithos bzw. Macrotintenstrahldrucke seit 2003. Diese auf breiten Stoffbahnen (240 x 136 cm) gedruckten Bildfolgen, wie „Die letzte Reise“, entstanden auf Grundlage von unbeabsichtigt schlecht belichteten Fotos von Kirchenräumen. Hüppi brachte sie von seiner letzten Kursfahrt mit den Studenten der Düsseldorfer Akademie aus Armenien mit. Diese Fotos überzeichnete er und ließ sie schließlich auf das große hochformatige Tuchformat übertragen. Die komischen Strichfiguren „agieren offenbar jenseits historischer Zeiten“ und verleihen den historischen Bauten eine Leichtigkeit, wie sie Hüppi einmal formulierte:“Für mich ist das die höchste Möglichkeit der Kunst, dass sie angesichts des Todes erst recht die Heiterkeit bewahrt“. (Hüppi, Kunstforum international, Bd. 93, 1988) In ihrer gestalterisches Vielfalt sind die Druckwerke von Alfonso Hüppi einzigartig. Seine Gestaltung und sein Ausdrucksmittel sind im permanenten Wandel und so ist er seinem 1970 geäußerten Statement „Mein ganzen Bestreben ist Verwandlung“ bis heute treu geblieben. Wie in seinen plastischen und malerischen Werk geht es dem Künstler nicht um eine bedeutungsvolle Ikonographie. Zeichen und Formen begegnen sich und genügend sich selbst. Dabei entzieht er sich gern dem aktuellen Kunstbetrieb, um sich jenseits des Mainstreams zu etablieren.

Hueppi, Alfonso 2015 © Museum Goch

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