Droese, Felix (2004/2010)

Am 1.12.2003 startete bei Aldi Süd unter großem Medieninteresse der Verkauf von 14 Grafiken, darunter die beiden Blätter „Silberfinger“ und „Wind, Wasser, Wolken“ von Felix Droese. Die auf dem Passepartout signierten Arbeiten wurden zu je € 12,99 angeboten. Innerhalb kürzester Zeit wurden 140.000 Exemplare in den ca. 1500 Filialen des Discounters verkauft.
Felix Droese kommentiert die enorme Nachfrage mit dem Kommentar, man sehe, wie groß die kulturelle Unterversorgung in Deutschland sei. Droese, der immer wieder soziale und gesellschaftliche Verhältnisse in seinen Aktionen und Arbeiten thematisiert, stellt erneut die Frage nach dem Wert des Kunstwerks. Unter dem Aldi Logo ist es ganz offensichtlich möglich, jenseits aller Diskussionen um den Begriff der Originalgrafik, Menschen für Kunst zu mobilisieren. Die Aldi Devise `Qualität ganz oben – Preis ganz unten´ überträgt der Künstler auf die von ihm angeboten Arbeiten. Dabei ist ganz offensichtlich, dass er mit dieser Aktion die enge Verknüpfung zwischen Kunst und Kunstmarkt erneut zur Diskussion und in Frage stellt. Wie definiert sich die Qualität dieser Arbeiten zwischen Olivenöl und Spaghetti jenseits der klassischen Vermittlung von Galerien und Museen?
Mit dem Einzug der Aldi Kunst ins Museum wird sich die Frage der Qualität neu stellen.
Droese bezeichnet dies als „Aktion Grundversorgung“ und möchte Kunst schaffen, die für alle Leute erschwinglich ist. Kunst wird, auch 40 Jahre nach Andy Warhol, umstrahlt vom Nimbus des Unerreichbaren. Dagegen setzt Droese sein Konzept von der Grundversorgung, die neben den primären Lebensbedürfnissen auch die Teilhabe am künstlerischen Leben beinhaltet.
„Ich hab´ die Kunde und Aldi hat die Kunden“, so einfach erklärt Droese seine Aktion. Bereits in den 20er Jahren wurden im Berliner Kaufhaus Tietz, dem heutigen KaDeWe, Werke von Käthe Kollwitz und Otto Nagel für ein paar Mark verkauft und in den 70er Jahren konnten Originalgrafiken von Gerhard Richter im Düsseldorfer Möbelhaus Berges erworben werden. Felix Droese (* 1950) war Teilnehmer der documenta 7 und vertrat die Bundesrepublik 1988 auf der Biennale in Venedig mit dem „Haus der Waffenlosigkeit“ im deutschen Pavillon. Für Droese ist Kunst heute „nicht mehr als Stilfrage, sonder als Wahrheitsfrage“ (F.D.) zu definieren. Gesellschaftspolitische Verantwortlichkeit ist für den Künstler daher bereits in seinen frühen Arbeiten ein wesentliches Anliegen. In unterschiedlichen Werkgruppen bringt er sich seit den 70er Jahren in aktuelle Diskussionen ein und begleitet sie.
Das Museum Goch visualisierte erstmalig in einer gemeinsam mit Felix Droese konzipierten Ausstellung die Verkaufsaktion bei Aldi-Süd sowie die sich anschließende Diskussion. Die Ausstellung wird mit ihren Objekten und künstlerischen Arbeiten sowie zahlreichen Dokumenten den Verlauf spannend aufbereiten und anschaulich machen.

Im Jahr 2010 zeigte das Museum Goch eine Übersicht über die entstandenen Editionen von Felix Droese, mit dem Schwerpunkt „Heimat am Niederrhein“.

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