Becker, Fides (2001)

www.fides-becker.de

Ob im adretten fünfziger Jahre Kleid, im freizügigen Bikini oder im Minirock, Fides Beckers Vorstellungen von einem „perfect housekeeping“ hat so gar nichts gemeinsam mit der Realität im deutschen Haushalt unserer Tage.
Die in Frankfurt am Main lebende Künstlerin blickt in ihren großformatigen Gemälden auf die deutsche Hausfrau mit einem kritisch-ironischen Blick. Mit ihren Motiven aus einem vermeintlichen perfekten und modernen Haushalt, fordert uns Fides Becker dazu auf, unser Bild von gesellschaftlichen Fixierungen zu hinterfragen.
Auf den Bildern erscheint uns die Frau als brave, immer lächelnde Putzhilfe ebenso, wie als erotisch-verführende „Femme fatale“, zwischen selbstbewusster Geste und Objekt männlicher Phantasien.

In vielen ihrer Arbeiten greift Fides Becker auf bekannte Bilder vergangener Jahrhunderte zurück. Besonders eindringlich wird dies bei einer vierteiligen Hommage an Eduard Manets „Olympia“, das seinerseits bereits eine Erinnerung an alte Vorbilder darstellt, anderseits selbst als Skandalbild im 19. Jahrhundert für Aufsehen sorgte. Von was die fast nackte Hausfrau träumt, während sie genüsslich eine Praline im Mund zergehen lässt, wird in kleinen Sequenzen im Bild deutlich gemacht: mixen, Eier trennen und kochen.

Dass die gesellschaftliche Fixierung in „typisch weiblich“ und „typisch männlich“ keineswegs der Vergangenheit angehört, hierauf weist Fides Becker in einigen Bildern hin, wo bereits das kleine Mädchen mit Schultüte von schönen Kleidern, der Waschmaschine und dem Bügeln träumt.

Wie sehr sich die Künstlerin selbst in diese Diskussion einbringt und sich nicht auf ihre Rolle als Erzählerin zurückzieht, zeigen die Selbstportraits, das jedem der Darstellungen zugrunde liegt. Fides Becker schlüpft in die Rolle ihres eigenen Modells und zeigt damit, dass dieses Thema auch weit über die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau hinausweist, vielmehr auf all unsere Festlegungen und unser Schubladendenken anzuwenden ist.

Mit dieser Ausstellung, die wir bewusst in die „besinnliche“ Zeit des Jahreswechsel gelegt haben, greifen wir innerhalb der Kunst einmal mehr ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf und laden die Besucher ein, sich diesem Thema zu stellen. Gerade in einer Jahreszeit, in der wir uns gerne in das Häusliche zurückziehen und in der uns wieder in allen Medien die Klischees von der Hausfrau und Mutter vorgeführt werden, lohnt es sich mit Hilfe der Kunst darüber nachzudenken.

Stephan Mann

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